Paartherapie München  
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Podcast aus der Praxis der Paartherapie

Heute geht es um das zentralste Thema Ihrer Paarbeziehung: Intimität zwischen zwei Menschen.

Nichts ist so fragil und so schwer dauerhaft zu erhalten wie Nähe zwischen zwei Menschen. Wollen Sie mehr darüber erfahren? Dann hören Sie die neueste Folge meines Podcasts zum Thema Intimität. Und hier folgt das Transkript.

Ja hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts. Mein Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Heute geht es um ein sehr sehr sehr schwieriges Thema. Das schwierigste Thema Ihrer Partnerschaft, das schwierigste Thema der zwischenmenschlichen Suche nach Nähe, die höchste Kunst zwischenmenschlicher Interaktion. Intimität. Intimität. Und, vermutlich haben Sie selbst schon einmal intensiv über Intimität nachgedacht, vermutlich haben Sie sich ihren eigenen Reim drauf gemacht, was Intimität für Sie ist, wie sie entsteht, wie Sie vergeht, weshalb sich Intimität manchmal gut anfühlt und manchmal nicht so gut. Welche Arten von Intimität wir kennen. Warum wir uns manchen Menschen näher fühlen und anderen weniger. Wie wir Intimität herstellen können, wenn wir sie wünschen und abblocken, wenn wir sie nicht wünschen.

Wow. Was für ein Thema für so einen kurzen Podcast. Intimität ist ein sehr komplexes Thema. Was heißt Intimität, Nähe? Wie ist das, wenn wir uns einem anderen Menschen nahe fühlen? Ich verwende selbst die klassische Dreiteilung von Keifer aus den 70ern und unterscheide die intellektuelle Nähe, die emotionale Nähe und die körperliche Nähe. Unter körperlicher Nähe kann sich jeder etwas vorstellen. Das ist, wenn wir einem anderen Körper nahe sind, die Wärme spüren und es als angenehm empfinden. Dann bin ich jemandem körperlich nah. Und diese körperliche Nähe als angenehm zu empfinden ist keine Selbstverständlichkeit, Sie alle kennen den Effekt, dass Sie sich unwohl fühlen, nur weil Ihnen jemand körperlich ZU nahe kommt, z.B. im Bus oder im Gedränge der U-Bahn. Dieses Eindringen in Ihre Komfortzone empfinden Sie als bedrohlich und daher unangenehm. Wenn Sie sich auf körperliche Nähe einlassen können, dann in der Regel nicht mit jedem, sondern nur mit wenigen, ausgesuchten Menschen. Es gibt Menschen, die können es NICHT ertragen, ihren Partner zu umarmen. Für die ist diese Form körperlicher Nähe schon zu viel. Und es gibt Menschen, die können eigentlich JEDEN umarmen und sich dabei wohl fühlen. Die meisten Menschen rangieren irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen. Dann emotionale Nähe. Diese Form der Initimität nennen wir oft Liebe, Mitgefühl usw. Diese Form der Nähe empfinden wir, wenn unsere Emotionen gespiegelt werden. Wenn Sie sich in die Augen sehen und dabei nah sind. Wenn Sie Mitgefühl mit Ihrem Kind haben, dass sich gerade weh getan hat. Wenn Sie Ihre Eltern lieben und spüren, wie sie Sie lieben. Kurz, wenn zwei Menschen Gefühle spiegeln. Das müssen nicht unbedingt positive Gefühle sein, auch in der gemeinsamen Trauer kann man sich unendlich nahe kommen. Und zu guter Letzt intellektuelle Nähe. Vielleicht haben Sie das schon erlebt, dass Sie einen Menschen getroffen haben, mit dem Sie sich stundenlang über ein bestimmtes Thema unterhalten haben und das Gefühl hatten, verstanden zu werden. Umgangssprachlich sagt man auch "die gleiche Sprache sprechen". Ja, das ist Nähe und sie kann viele viele Formen annehmen. Ihnen fallen sicher noch viele weitere Beispiele ein, wenn Sie etwas darüber nachdenken.

Jetzt gibt es aber noch eine wichtige Unterscheidung, die David Schnarch vor Jahren eingeführt hat, als er in den 80er Jahren intensiv zum Thema Intimität in der Partnerschaft geforscht hat: fremdbestätigte Intimität und selbstbestätigte Intimität. Was heisst das denn nun? Dazu lese ich Ihnen vielleicht einen kurzen Abschnitt aus Davids letztem Buch vor: "Wie bei den meisten Menschen ist wahrscheinlich auch bei Ihnen der Fokus auf die fremdbestätigte Intimität gerichtet. Meine umfassenden Recherchen in der einschlägigen Fachliteratur ergaben, dass auch Paartherapeuten sich in der Regel auf die fremdbestätigte Intimität konzentrieren. Diese ist die erste Form von Intimität, die wir als Kinder erleben. Sie beinhaltet, dass ein Partner seine Gefühle, Wahrnehmungen, Zweifel, Ängste und inneren Wahrheiten offenbart und der andere diese entweder (a) akzeptiert, bestätigt und nachempfindet und/oder (b) sich auf ähnliche Weise offenbart. Fremdbestätigte Intimität hängt von Reziprozität ab. Der Zuhörer muss sich dabei erkenntlich zeigen, indem er sich ebenfalls offenbart oder zumindest das, was der andere gesagt hat, offen aufnimmt und so bestätigt - wobei beides das gespiegelte Selbstempfinden des Sprechers stärkt. Wenn Sie an Intimität denken, haben Sie wahrscheinlich etwas im Sinn, das diesem Modell entspricht. Wenn Menschen sagen, dass Sie sich tiefe Intimität wünschen, stellen Sie sich gewöhnlich ein grenzenloses Reservoir bedingungsloser positiver Aufmerksamkeit vor, verbunden mit Vertrauen, Sicherheit und Akzeptiertwerden - mit anderen Worten: fremdbestätigte Intimität." Dieses Gefühl der fremdbestätigten Intimität funktioniert nur, weil Sie sich in den Anderen einfühlen können. Sie nehmen wahr, wie er/sie sich verhält, Sie spiegeln, was er/sie vermutlich empfindet und dann, wenn er Sie bestätigt, wertschätzt, empathisch ist usw., dann nehmen Sie Nähe wahr. Wenn Sie Ihr Partner abblockt, kritisch die Augenbrauen hochzieht oder Desinteresse bekundet (einfach pfeifend aus dem Fenster sieht), dann nehmen Sie Distanz wahr. Wenn Ihr Partner Ihnen z.B. nur so beiläufig auf dem Fernsehsofa den Nacken krault, dann nehmen Sie in der Regel Nähe nicht wahr, weil Sie spüren, dass es "mechanisch" ist und dass der Partner das eigentlich nicht macht, um Sie zu streicheln. Wenn Ihr Partner mit Ihnen Oralsex hat, dann spüren Sie ganz genau, ob er/sie es ernst meint und Ihnen etwas Gutes tun will oder das Ganze nur mechanisch mitmacht. Wenn Sie mit Ihrem Kind einfach nur deshalb lustlos Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen, weil es lange genug gequängelt hat, dann wird ihr Kind merken, dass Sie garnicht richtig dabei sind und dabei nicht die Nähe empfinden, die ein Spiel erzeugt, das beiden Spaß macht. Sie spüren nicht Intimität, sondern Distanz, obwohl rein äußerlich und mechanisch das "Richtige" gemacht wird. Spannend, was unser Gehirn alles kann, oder?

David Schnarch schreibt weiter: "Paare in der Werbungsphase und frisch Verheiratete leben von fremdbestätigter Intimität. Die meisten Menschen suchen Intimität, um ein Gefühl der Nähe, des Zusammenseins, ein "Wir-Gefühl" zu erleben. Allerdings erfordern längerfristige Beziehungen selbstbestätigte Intimität. Die Ehe zwingt uns alle, uns weiterzuentwickeln. Deshalb fühlt sich Intimität oft nicht gut an. Sie ist nicht dazu da, Ihnen ein bestimmtes Gefühl zu garantieren, sondern soll dafür sorgen, dass Sie wachsen. Dies leistet Sie auf unterschiedliche Weisen. Erstens ist fremdbestätigte Intimität in einer Ehe definitiv zeitlich begrenzt. Dafür ist der Prozess der Auswahl von Möglichkeiten verantwortlich. Irgendwann müssen Sie mit Ihrem Partner über Dinge reden, von denen Sie wissen, dass sie ihm nicht gefallen werden. Er wird sie nicht bestätigen, wenn Sie über Themen zu reden beginnen, die bei ihm Gefühle der Angst oder Wut hervorrufen. An diesem Punkt, der unvermeidlich irgendwann eintritt, endet die fremdbestätigte Intimität und eine emotionale Pattsituation tritt ein. Zweitens entsteht eine Mini-Identitätskrise, wenn Sie sich ehrlich darüber äußern, wer Sie sind, ohne dass Ihnen eine Bestätigung garantiert wird. Drittens beinhaltet Intimität zuzulassen, dass Ihr Partner Sie genau kennt. Schon allein dies verursacht ein Gefühl der Unsicherheit. Wenn Sie sich auf ein gespiegeltes Selbstempfinden verlassen, können Sie sich nicht sicher sein, dass Sie so, wie Sie sind, okay sind. Es wird Ihnen wohl nur schwer gelingen, geliebt zu werden, wenn Ihr Partner Sie nicht richtig kennt. Und es wird Ihnen schwerfallen zuzulassen, dass Sie von einem anderen Menschen gespiegelt werden, wenn Sie sich darüber täuschen, wer Sie wirklich sind. Viertens lässt es sich oft nicht vermeiden, über schwierige und wichtige Dinge zu sprechen. Dies können Sie aber nicht, solange Sie auf fremdbestätigte Intimität setzen." Starker Tobak. Und sicher nicht sofort zu verstehen, was David damit meint. Wenn Sie frisch verliebt sind, dann gibt es fast unbegrenztes Akzeptiertwerden. Sie haben die Schmetterlinge im Bauch und Sie nehmen Ihren Partner so, wie er ist. Die kleinen Fehler, ach, über die können Sie hinweg sehen, das sind doch "liebenswerte Eigenheiten", oder? Sie hängen stundenlang am Telefon und telefonieren und alles ist wunderbar. Ja und dann, irgendwann und schleichend, da hört das auf. Weil Sie nicht IMMER über Dinge sprechen können, die dem anderen nur angenehm sind. Sie können nicht immer nur heile Welt spielen, Sie müssen Dinge ansprechen, von denen Sie genau wissen, dass Sie Ihrem PArtner Unbehagen bereiten werden. Und da hört dann die fremdbestätigte Intimität auf. Wenn Sie sich immer nur auf das bisschen verlassen, was BEIDEN gleichermaßen angenehm ist, dann funktionieren Sie auf einer Art "kleinstem gemeinsamen Nenner" und erschreckend viele Paare machen das. Sie trauen sich nicht, das anzusprechen, was angesprochen werden muss. Sie tun nicht das, was getan werden muss für die Beziehung. Und dann wursteln sie sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner so durch. Und dass das nicht für ewig funktioniert und sich die Intimität auf dieser Ebene schnell aufbraucht, dass können Sie sich leicht vorstellen.

Ja. Und da kommt nun die selbstbestätigte Intimität ins Spiel. Leider erst wenn sich zuviel Müll angesammelt hat, all diese unausgesprochenen Dinge, die Sie eigentlich ihrem Partner schon immer sagen wollten, sich aber nicht getraut haben, dann fangen Sie an, sich über selbstbestätigte Intimität Gedanken zu machen. Sie müssen sich dann ein Herz fassen, die Hosen runterlassen und sagen: "Schatz! Ich muss mit Dir reden." Und dann legen Sie los und sprechen über sich, über Ihre Gefühle, über Ihre Beschränkungen, über Ihre Ängste, über Ihre Wut und all den ganzen Müll, der Ihnen auf der Seele lastet. Und zwar sprechen Sie darüber unabhängig davon, ob Sie akzeptiert werden oder nicht. Es muss einfach raus. Und in diesem Moment, wenn Sie ganz bei sich sind und sich öffnen und eben vorher NICHT wissen, was passieren wird, in diesem Moment erleben Sie einen Moment selbstbestätigter Intimität. Und das muss sich nicht gut anfühlen, wenn Sie Ihrem Partner sagen: "Weißt Du, nachdem Du mich jetzt so viele Jahre lang mit schlechtem Sex gequält hast, habe ich angefangen, Dich zu verachten." Das ist sehr intim, gibt sehr viel von Ihnen preis und fühlt sich für beide nicht schön an. Ist aber wichtig. Denn Sie öffnen sich damit und geben Ihrem Partner Einblick in Ihr Seelenleben. Und damit muss der erstmal klarkommen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht um wilde Angriffe auf Kosten des anderen. Es geht darum, dass Sie sich offenbaren, dass Sie über ihre Gefühle reden, dass Sie zeigen, wer Sie sind.

So und jetzt gibt auch bei selbstbestätigter Intimität ein komplexes Regelsystem, das David Schnarch so in seinen Büchern noch nicht beschrieben hat, bitte hören Sie genau zu, das ist wichtig. Nehmen wir an, Sie finden zu selbstbestätigter Intimität und das ist schon ein großer Schritt, den wagen die meisten Menschen nicht. Also nehmen wir an, Sie haben Ihren Partner noch nie richtig geküsst oder gestreichelt und Sie wissen eigentlich garnicht warum. Vielleicht sind Sie zu faul? Vielleicht geben Sie nicht gern? Vielleicht haben Sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht? Vielleicht denken Sie "solange der Partner es sich wünscht geb ich erstmal garnichts, das muss schon von mir kommen und ich hab eben keine Lust"? Egal, was Sie sich denken und was in Ihnen vorgehen mag, Sie kriegen es nicht hin, Ihren Partner zu küssen oder zu streicheln. Oder zu umarmen. Es gibt tausend Varianten davon, denken Sie sich etwas aus Ihrem eigenen Leben, aus ihrer eigenen Partnerschaft. Dann fasst sich Ihr Partner irgendwann ein Herz und sagt: "Weißt Du, ich mag es nicht, wie Du mich berührst. Ich finde das nicht schön. Ich möchte gerne anders berührt werden. Ich möchte gerne geküsst werden. Ich möchte gerne in einer bestimmten Weise gestreichelt werden." Das ist selbstbestätigte Intimität in Reinkultur. Der Mensch öffnet sich und gibt etwas von sich preis. Jetzt haben Sie mehrere Möglichkeiten zu reagieren. Die erste Möglichkeit ist, dass Sie abblocken, denn: wenn Ihnen Ihr Partner sagt, dass Ihre Berührung sich nicht schön anfühlt, dass Sie etwas anders machen sollen, dann sagt er Ihnen damit, dass Sie etwas "falsch" machen. Und wenn Sie ein schwaches Selbstwertgefühl haben, dann kommen Sie nicht damit zurecht, dass Ihnen jemand sagt, dass Sie etwas falsch machen oder in diesem Beispiel ein schlechter Liebhaber sind. Ihr Selbstwert klappt zusammen und Sie können Ihre persönliche Integrität nur dadurch aufrecht erhalten, in dem Sie den berechtigten Wunsch Ihres Partners abblocken. Das können Sie ein paar Mal machen, einmal, zweimal, zehn Mal, hundert Mal, irgendwann - wenn Sie nicht an der Aufgabe wachsen und sie immer abblocken - wird Ihre Partner die Segel streichen und sagen: ja, dann halt nicht. Dann lass es bleiben. Aber es ist mir wichtig - denn wäre es nicht wichtig, dann hätte er nicht so lange dafür die Hosen runtergelassen und sich verletzbar gemacht - und deshalb werde ich Dich jetzt verlassen. Die Partnerschaft ist ruiniert und geht auseinander. Wissen Sie, was bei Ablehnung in unserem Gehirn passiert? Schmerz. Es gibt eine interessante Studie von Naomi Eisenberger und Kollegen, die in Gehirnscans gemessen haben, was bei sozialer Ablehnung in unseren Köpfen passiert. Die Muster, die dabei entstehen, sind physischem Schmerz sehr ähnlich. Oder anders ausgedrückt: wenn Sie Ihr Partner ablehnt, dann könnte er Ihnen genauso gut auch einfach einen Finger ins Auge stechen, das produziert ein ähnlich "unangenehmes" Muster in Ihrem Gehirn und Sie müssen ähnliche Fähigkeiten aufbringen, um sich wieder zu beruhigen und das wegzuschieben. Wenn Ihr Partner Sie ständig ablehnt, dann erleiden Sie immer Schmerz - auch wenn es kein Finger im Auge ist - und auf die Dauer zerstört das die Liebe unweigerlich. Also: Abblocken können Sie machen, aber nicht sehr oft oder sehr lange, wenn Sie ihre Partnerschaft behalten wollen. Hängt einzig und allein von Ihrem Partner ab, wieviel er erträgt und manche vertragen mehr Schmerz, andere weniger. Die zweite Möglichkeit zu reagieren, ist anzunehmen, was Ihr Partner Ihnen sagt. Dazu muss ich aber erstmal in der Lage sein, mich hineinzufühlen, was er sagt. Wenn ich höre "ich möchte gerne XYZ", dann darf ich das eben nicht als Angriff auf meine Person und meinen fragilen Selbstwert werten, sondern ich muss dann sagen können "ok, habe ich verstanden, kann ich nachvollziehen, ich habe verstanden, dass es Dir wichtig ist, ich werde mich darum kümmern." Dann ist das Thema hoffentlich vom Tisch. Dann wurde aus dieser selbstbestätigten Intimität, die für beide unangenehm war, doch plötzlich etwas Positives.

Dann gibt es noch die dritte Möglichkeit. Sie würden gerne annehmen, was Ihr Partner Ihnen offenbart, aber irgendwie können Sie es nicht. Ich konstruiere mal bewusst ein Beispiel. Nehmen wir an, Sie haben panische Angst vor Spinnen. Sobald Sie eine Spinne sehen, rasten Sie aus. Es gibt solche Menschen. Nun wird es spannend: jetzt offenbart Ihnen Ihr Partner nach langem Überlegen und mit-sich-Ringen, dass es ihm/ihr eine wirklich wichtige Herzensangelegenheit ist, in der Wohnung ein Terrarium mit Spinnen aufzustellen. Er weiß, dass es Ihnen unangenehm ist und deshalb ringt er mit sich, aber es ist ihm so wichtig, dass er Ihnen das Thema zumutet. Sie lachen vielleicht, es ist ein konstruiertes Beispiel, in der Realität fällt Ihnen sicher etwas Analoges aus Ihrem Leben ein. Nun ist es also raus: Spinnen sind wirklich wichtig und der Partner leidet, wenn er die Spinnen nicht aufstellen darf und er hat lange mit sich gerungen, aber hielt es nicht mehr aus, jetzt ist es raus. Natürlich lieben Sie ihren Partner und wissen, dass es nicht leicht für ihn war. Natürlich würden Sie gerne seinen Wunsch irgendwie annehmen, aber es fühlt sich so .... unschön an. Alles sträubt sich in Ihnen. Keine Ahnung, was Sie dann genau machen, aber die meisten Menschen laufen Amok. Bekommen Angst. Und fangen an, Ihrem Partner irgendwelche Vorhaltungen zu machen, gehen zum Angriff über "Du bist ja so ein Spinnenfanatiker, Du solltest mal zum Arzt gehen" oder sagen garnichts und verkriechen sich, Oder tun so, als hätten sie es nicht gehört und hoffen einfach, dass sich der Partner nicht nochmal überwindet. Es gibt viele Möglichkeiten, der unangenehmen Wahrheit auszuweichen. Und das tun sie, denn der Gedanke an Spinnen fühlt sich für Sie nicht richtig an.

Aber denken Sie einmal nach. Es gibt im Moment etwa 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt. Und die meisten davon haben kein Problem mit Spinnen. Mein fünfjähriger Sohn z.B. der findet Spinnen absolut süß und spielt mit ihnen. Wenn Sie also ein Problem mit Spinnen haben, dann haben SIE ein Problem mit Spinnen. Und wenn SIE ein Problem mit Spinnen haben, dann sollten Sie sich das selbst eingestehen und sagen: "ja, ok, sehe ich ein, eigentlich ist es mein Problem und ich sollte mich darum kümmern. Ich sollte meine Spinnenphobie loswerden." Und vielleicht muss ich dafür zu einem Hypnosetherapeuten gehen, zu einem Verhaltenstherapeuten, zu einem Paartherapeuten, zu einem Sexualtherapeuten oder wohin auch immer. Das hängt vom konkreten Problem ab. Wenn Sie sich nämlich nicht darum kümmern, was Ihrem Partner wichtig ist und glauben, der unangenehmen Wahrheit aus dem Weg gehen zu können, dann lügen Sie sich selbst in die Tasche und früher oder später kommt es zum offenen Konflikt und dann kann es sein, dass die Nähe schon lange lange dahin ist. Und dann müssen Sie sich fragen, was Sie vielleicht selbst dazu beigetragen haben, dass es soweit gekommen ist.

Denn was passiert denn in einer zwischenmenschlichen Beziehung. Zwei Menschen sind sich nahe, fühlen Intimität. Dann passiert irgendetwas, was diese Nähe stört und die beiden entfernen sich voneinander. Also wieder am Beispiel Spinnen: schon durch das Mit-Sich-Ringen fühlt Ihr Partner den inneren Konflikt, Ihnen etwas zumuten zu müssen, was Sie nicht hören wollen. Dadurch entsteht schon einmal Distanz. Da höre ich in meiner Praxis für Paartherapie in München Sätze wie "ich hab mit ihm telefoniert und er hat sich da schon so komisch angehört, da war doch was". Dann gesteht der Partner, was er sagen möchte. Dadurch fühlen Sie sich vielleicht abgestoßen, geängstigt, unsicher, beschämt und dadurch entsteht noch mehr Distanz. Vielleicht greifen Sie Ihrem Partner sogar an: "Du bist ein perverser Spinnenliebhaber! Geh mal zum Psychiater!" Dadurch entsteht noch mehr Distanz. Und dann? Dann sitzen Sie beide in Ihrer Ecke - so wie im Boxring - lecken Ihre Wunden und eines Tages denken Sie dann: "ach, der andere ist vielleicht doch nicht so schlecht" und dann fangen Sie wieder an, aufeinander zuzugehen. Ein nettes Wort hier, ich koch Dir was, bringe Blumen mit, eine Streicheleinheit hier, ein Lächeln dort und irgendwann ist die Nähe wieder halbwegs konstruiert. Bis zum nächsten Störfaktor. Und dann geht das Spielchen wieder von vorne los. Und je nachdem, wie gut Sie sich selbst beruhigen können, wie schnell Sie Ihre Wunden versorgt bekommen, wie leicht Sie aufeinander zugehen können, stellen Sie die Nähe wieder her oder nicht. Und: diese Nähe wieder herzustellen, das ist nicht so einfach, dafür muss man sich ganz schön anstrengen. Die meisten Paare brechen an diesem Spielchen auseinander, denn: Sie können dieses Spiel der Verletzung, dieses Auseinanderdriften und das sich-mühsam-wieder-Annähern nicht beliebig lange spielen. Irgendwann sagt einer "so, jetzt reichts" und geht. Und es gibt nur einen Weg, wie man aus diesem Teufelskreis rauskommt. Aus diesem Kreislauf Nähe - Peng! - in der Ecke sitzen und Wunden lecken muss über die Zeit etwas werden, das Sie weniger voneinander entfernt. Nicht, weil Sie dem Konflikt aus dem Weg gehen, sondern, weil Sie lernen, damit souverän umzugehen. Weil Sie lernen, dass Sie vor Ihrem Partner nicht die Flucht ergreifen müssen, bloß weil er gerne ein Terrarium möchte. Denn es ist ja aus seiner Sicht ein wichtiger und berechtigter Wunsch. Beide müssen beziehungsfähiger werden. Der Spinnenphobiker muss lernen, immer besser und besser mit Spinnen umzugehen und der Spinnenfreund muss behutsam mit seinem Phobiker sein und darf ihm nicht zuviel auf einmal zumuten. Aber beide müssen begreifen, dass es hier um einen komplexen Regelkreis geht und beide müssen begreifen, dass Sie etwas beitragen müssen zum Arrangement. Wenn nur einer nicht begreift, was er zu tun hat in diesem Regelkreis, dann wird aus einer ehemals intimen Partnerschaft ein Stellungskrieg.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne ganz viele intime Momente in Ihrem Leben. Nähe mit Menschen, die Ihnen lieb und wichtig sind. Und die Fähigkeit, Nähe herzustellen und die Fertigkeiten, um Nähe erhalten können und nicht schreiend in Ihre Boxring-Ecke zu laufen. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen. Ihr Tobias Ruland

Paarseminare und Männerseminar

in München ist mein neues Angebot an Sie in 2012. Nach langer Planung habe ich mich entschlossen, Ihnen in 2012 ein umfangreiches Wissen zu den Themen Partnerschaft und Sexualität in kompakter Seminar-Form anzubieten.

Wenn Sie mehr wissen wollen, ist die Seite mit den Seminaren in München genau das, was Sie gesucht haben.

Hat unsere Liebe eine Chance?

ist die Frage, die viele Menschen beschäftigt und zu der ich jede Woche mindestens eine Anfrage bekomme. Aus diesem Grunde dreht sich die neue Folge des Podcasts genau darum. Hier folgt das Transkript:

Ja hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts. Mein Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Zunächst einmal vielen Dank für Ihr positives Feedback. Ich freue mich so sehr, wenn ich eine E-Mail bekomme oder einen Anruf und mir Menschen einfach sagen, wieviel Ihnen dieser Podcast weitergeholfen hat. Danke schön. Denn ich mache das unentgeltlich, ich mache das aus Leidenschaft. Und Ihr positives Feedback motiviert mich. Danke für die vielen positiven Zuschriften. Und wenn Sie einmal ein Thema haben, das Ihnen besonders am Herzen liegt: schreiben Sie mir bitte eine Email. Heute geht es um eine Sache, die mir in der Paartherapie in meiner Praxis in München sehr häufig begegnet, zu der ich jede Woche mindestens eine Email bekomme und es lässt sich wie folgt zusammenfassen: ein Paar findet zusammen, erlebt schöne Momente miteinander, verliebt sich und so weiter. Und irgendwann knirscht und knarzt die Sexualität der beiden in der Partnerschaft und in vielen Fällen führt das zu Unzufriedenheit, zu gegenseitigem Anzicken, zu Streits, zu Frustration, innerem Rückzug, Fremdgehen und so weiter. Je länger das Drama läuft - meist sind es 10, 15, 20 Jahre - umso mehr verhärten sich die Fronten, umso mehr Verletzungen sammeln sich an, umso größer wird der Schmerz, das kann hingehen bis zur kompletten Verachtung des Partners. Ein Kollege aus der systemischen Paartherapie hat mich einmal gefragt: "Warum tauchen die Paare immer erst bei uns auf, wenn die Beziehung bereits Krebs im Endstadium hat?" Naja, kann man so sehen, für mich ist das auch eine Chance. Eine Chance?

Etwa die Hälfte der Paare, die zu mir kommen, sind bereits getrennt oder denken sehr konkret an Trennung. Weil sie einfach keinen Weg sehen, die verfahrene Situation ins Lot zu bekommen. Klar, sie haben über die Jahre vieles versucht und haben Wege beschritten, die sie sich 10 Jahre vorher noch nicht haben träumen lassen. Und nichts hat funktioniert. Eine enorme Belastung, eine enorme Quelle für Frustration. Und wenn die Paare dann zur Paarberatung kommen, dann sagen sie oft "wir lieben uns, wir wollen eigentlich zusammenbleiben, aber der Sex ist eine Katastrophe und wir haben über die Jahre alles Mögliche versucht und haben es nicht hingekriegt. Gibt es eine Chance für unsere Liebe?" Die kurze Antwort ist: Natürlich gibt es die. Aber es gibt sie nicht umsonst. Für niemanden von uns. Und genau darum soll es in der heutigen Folge gehen.

Wenn zwei Menschen aufeinander treffen und sich verlieben und sich wunderbar und nah und eins fühlen, dann sind sie immer noch zwei verschiedene Menschen. Zwei Menschen, nicht einer. Sie haben eine unterschiedliche Kindheit, unterschiedliche Erziehung, unterschiedliche Werte, unterschiedliche Ängste, unterschiedliches Denken und Fühlen, unterschiedlichen Geschmack, unterschiedliche Erfahrungen in früheren Beziehungen, unterschiedliche Art zu lieben - das letzte Mal haben wir über Sternbergs Liebes-Dreieck gesprochen - zwei unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Gehirnen treffen da aufeinander. Und die menschliche Sexualität ist so ziemlich das komplizierteste, Angst erregendste und Scham beladenste, was wir Menschen mit uns herumtragen. Dass es bei diesem schwierigen Thema kracht im Gebälk ist normal. Ich kenne keinen Menschen, der sein Leben lang zufrieden mit der Sexualität in der Partnerschaft gewesen wäre; wenn Sie einen kennen: geben Sie mir Bescheid, ich würde ihn gerne einmal sprechen.

Wir haben also zwei ganz unterschiedliche Menschen vor uns. Und: diese beiden haben eine unterschiedliche Sexualität. Selbst wenn das zu Beginn der Partnerschaft noch einigermaßen passt, dadurch, dass sich die Menschen entwickeln im Laufe der Jahre, haben Sie eine sehr faire Chance, dass es nach einigen Jahren nicht mehr passt. Das ist Teil menschlichen Beziehungslebens und auch das ist ganz normal. Die Frage ist also garnicht, ob das passiert oder wann. Die Frage ist: wenn es passiert, wie gehen wir damit um? Und da sind wir bei einem wichtigten Punkt, der sich durch die Arbeiten des amerikanischen Paartherapeuten und Sexualtherapeuten David Schnarch zieht wie ein roter Faden: Differenzierung des Selbst und die vier Punkte der Balance. Wenn Sie darüber mehr wissen wollen: dazu hören oder lesen sie mehr in meinem Podcast oder auf Davids Website oder in seinen empfehlenswerten Büchern.

Ohne das jetzt alles im Detail erklären zu wollen: gehen Sie einfach mal im Moment davon aus, sie sind zwei unterschiedliche Menschen mit unterschiedlicher Sexualität und sie beide wollen das auf die Reihe kriegen. Wenn Sie verstanden haben, dass jeder Mensch unterschiedlich tickt, dann haben Sie auch verstanden, dass jeder Mensch eine unterschiedliche erotische Landkarte im Kopf hat. Und wenn die beiden Pech haben, dann haben die beiden erotischen Landkarten sogar ziemlich wenig miteinander zu tun. Es gibt Menschen, die eine sehr zärtliche, sinnliche Sexualität bevorzugen. Wenn die an einen Partner geraten, der es eher hart liebt - wir sprechen von bedingungslos nehmen oder genommen werden und zwar ohne stundenlanges Vorspiel oder Streichelei - dann gibt es ein Problem. Wenn einer von beiden orales Verwöhnen über alles liebt und der andere lehnt es ab, gibt es ein Problem. Wenn der eine auf Rollenspiele mit Dominanz und Unterwerfung steht und der andere findet das pervers, dann gibt es ein Problem. Und all diese Dinge werden typischerweise nicht beim ersten Date besprochen und viele Menschen entwickeln sich ja auch im Laufe der Jahre erst in eine bestimmte Richtung. Sie können 10 oder 15 Jahre verheiratet sein, bevor sich eine bestimmte Vorliebe, ein bestimmter sexueller Stil, eine bestimmte Entwicklungsrichtung herauskristallisiert. Das ist keine Schande, auch das ist ganz normal.

Nehmen Sie irgendein Beispiel aus Ihrer eigenen Beziehung, Ihnen fällt sicher eins ein. Jetzt nehmen Sie einmal an, dieses Etwas ist etwas, was Ihnen WIRKLICH am Herzen liegt, ein echter, wirklicher Stützpunkt ihrer persönlichen erotischen Landkarte. Und dann äußern Sie das und sagen "Du, Schatz, ich würde gerne Xyz in unsere sexuelle Beziehung einbauen." Oder Sie sagen ":Weißt Du, da gibt es was, was mich schon lange beschäftigt und ich möchte das ausprobieren." Oder - wenn Sie sich schämen - sagen Sie auch aus Angst vor Ablehnung oder aus Scham garnichts. Wenn der Partner mit Freude dabei ist, kein Problem. Wenn nicht, dann wird Ihr Herzenswunsch von Ihrem Partner/Ihrer Partnerin abgelehnt. Wie pervers bist Du denn, so etwas von mir zu fordern? Du bist ja krank! Und sexsüchtig bist Du auch! Du gehörst ja in Therapie! Solche Sätze fallen da. Wie oft werden Sie den Wunsch, der Ihnen und Ihrer erotischen Landkarte eine wichtige Herzensangelegenheit ist, noch äußern? Sie halten künftig den Mund und ziehen sich zurück. Was glauben Sie, was passiert dann? Oder: sie bleiben stark und beharrlich und sagen über Jahre immer wieder, was Ihnen wichtig ist, WEIL es Ihnen wichtig ist. Und Ihr Partner ignoriert Sie einfach, aus Angst, aus dem Gefühl, bedrängt zu sein, aus Rache, warum auch immer. Auch nicht besser. Wut. Enttäuschung. Hass. Verzweiflung. Fremdgehen. Schuldgefühle nach dem Fremdgehen. Endlose Diskussionen, SMS und Emails. Viele von Ihnen, liebe Zuhörer, kennen diese Situation. Sie ist ganz alltäglich.

Was ist der Ausweg? Ganz einfach und doch so schwierig. Sie müssen akzeptieren, dass Ihr Partner ein anderer Mensch ist als Sie selbst. Mit anderen Werten, anderen Erfahrungen, einer anderen erotischen Landkarte im Kopf. Und solange er/sie keine Kinder auffressen will, ist die erotische Landkarte Ihres Partners genauso valide, genauso gültig wie Ihre eigene. Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene erotische Identität und die kann und soll und darf ihm niemand nehmen. Und - kommen wir zurück auf die 4 Punkte der Balance - Sie beide müssen sich ja nur eine einfache Frage stellen: Wer bin ich und was will ich? Was ist mir wirklich wichtig? Z.B.: Jetzt hab ich als Frau endlich einmal die Fesseln einer jahrzentelang quälenden sexuellen Beziehung mit meinem Partner oder Ex-Partner abgeschüttelt und meine Weiblichkeit entdeckt oder wiederentdeckt, aber ich komme emotional nicht von dem Kerl los. Jetzt habe ich mich als Mann jahrelang allein sexuell entwickelt, weil meine Frau einfach keine sexuelle Beziehung mit mir führen wollte und liebe sie trotzdem. Jetzt habe ich nach 15 Jahren endlich für mich entdeckt, dass Kuschelsex für mich absolut unbefriedigend ist und ich etwas ganz anderes will, aber mein geliebter Partner lehnt das ab, weist mich dafür zurück. Dieses Dilemma, also, einen Partner zwar zu lieben, sich zu ihm hingezogen und sich ihm emotional nah zu fühlen, von ihm aber sexuell abgelehnt zu werden, kann einen Menschen komplett zermürben, sogar zerstören. Das kann so schlimm werden, dass der Mensch jede psychiatrische Störung bekommen kann, die Sie kennen. Ich unterhalte mich mit vielen Menschen über ihre Sexualität. Und glauben Sie mir: das ist sehr häufig. Wir sprechen von einer vermeintlich harmlosen Nackenverspannung (die nicht vom Sitzen kommt), wir sprechen von spontanen Panikattacken abends im Bett, wir sprechen von schmerzhaftem Druck in der Brust ohne jede organische Ursache, wir sprechen von Tinnitus, Schlafstörungen, von Depression, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, bis hin zum Selbstmord. Und das Muster ist immer dasselbe. Ein Mensch wird in einer Beziehung von seinem Partner so lange gequält (das muss nicht nur mit schlechtem Sex zu tun haben), bis er krank wird. Es gibt eine schöne wissenschaftliche Veröffentlichung von Barbato und D'Avanzo aus dem Jahr 2006, die nachgewiesen haben, dass Paartherapie bei Depressionen nicht weniger wirksam ist als die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Mit anderen Worten: eine nicht-funktionierende Partnerschaft macht viele Menschen krank. Nur wird darüber nicht viel gesprochen und diese nicht funktionierenden Paarbeziehungen kosten unser Gesundheitssystem jedes Jahr Milliarden. Und schlechter Sex - es gibt natürlich auch noch andere Gründe - steht ganz oben auf der Liste, weshalb eine Partnerschaft nicht funktioniert. Wenn dann noch eine andere Belastung hinzukommt, z.B. ein fordernder Beruf oder Probleme mit den Kindern, finanzielle Probleme, ein Hausbau, dann werden viele Menschen seelisch krank.

Dabei sind zwei Gedanken wichtig. Der erste Gedanke: Sie können einen Menschen lieben, auch ohne eine sexuelle Beziehung mit ihm zu führen. Sie lieben vielleicht Ihre Kinder, Ihre Eltern, gute Freunde. Nur weil Sie jemanden lieben, heißt das nicht automatisch, dass Sie mit diesem Menschen eine sexuelle Beziehung führen können oder wollen. Und wenn Sie WIRKLICH lieben, so wie das viele Religionen zu vermitteln versuchen, Jesus ist ein Beispiel, Buddha ist ein Beispiel, dann spielt Sexualität, also die körperliche Lust, dort für den Liebesbegriff gar keine zentrale Rolle mehr. Das heißt natürlich nicht, dass Sie auf Sex verzichten sollen, wenn Sie Ihren Partner wirklich lieben, das heißt nur: es gehört nicht notwendigerweise zusammen. Liebe und Sexualität sind zwei getrennte Dinge, soll das heißen. Sexualität wird schöner, wenn Sie jemandem in tiefer Liebe zugetan sind und Sexualität ist so ein integraler Teil der menschlichen Existenz, dass wir sie auch in einer partnerschaftlichen Liebesbeziehung leben wollen, aber es gehört nicht notwendigerweise zusammen. Sie können ihren Partner oder Ex-Partner auch lieben und keine sexuelle Beziehung mit ihm führen, wenn Sie das nicht wollen oder ihr Partner das nicht will. Ihre Liebe sollten Sie davon nicht abhängig machen. Der zweite wichtige Gedanke ist: eine sexuelle Beziehung ist eine Beziehung. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen A und B. Und diese Beziehung können Sie führen oder auch nicht. Und mit jedem Menschen funktionieren Beziehungen unterschiedlich. Vielleicht haben Sie einen Freund oder eine Mutter, die müssen Sie regelmäßig anrufen und Weihnachtskarten schreiben und Geburtstagsblumen schicken, um die Beziehung zu pflegen. Und vielleicht haben Sie einen anderen Freund, da reicht es, wenn Sie sich alle 2 Jahre mal sehen und es ist trotzdem immer noch so schön und intensiv wie seit vielen vielen Jahren. Mit jedem Menschen funktioniert eine Beziehung anders. Weil er ein anderer Mensch ist und weil Sie sich auf jeden Menschen individuell einstellen müssen.

Zuerst einmal muss Ihnen klar sein, was Ihnen wichtig ist, das habe ich gerade schon gesagt. Ist Ihnen Ihre Sexualität in der Beziehung wichtig, dann werden Sie das formulieren müssen. Natürlich belästigen Sie Ihren Partner nicht ständig mit jedem Mist und überufernden Detailfragen, aber mit den wichtigen Herzensangelegenheiten werden Sie ihn/sie konfrontieren müssen. Und dann muss Ihnen beiden klar sein, dass eine sexuelle Beziehung nicht zu halten ist, wenn die erotische Landkarte von einem oder gar von beiden ignoriert wird. Das funktioniert schlicht und ergreifend nicht. Sie können z.B. nicht Treue von ihrem Partner fordern, ihn aber mit lausigem Sex abspeisen, das funktioniert auf Dauer nicht. Wenn Sie eine sexuelle Beziehung führen wollen, dann müssen Sie sie auch führen und Sie müssen Sie so führen, dass sich beide darin wiederfinden. Und das ist ziemlich schwierig, das allein ist eine Lebensaufgabe. Wenn Sie nicht akzeptieren können, dass Ihr Partner ein anderer Mensch ist als Sie selbst und wenn Sie seine erotische Landkarte einfach ignorieren oder gar runtermachen, dann wird die sexuelle Beziehung todsicher scheitern. Viele Paare bleiben dann zwar ein Paar, aber die sexuelle Beziehung ist klinisch tot und einer oder beide gehen fremd oder werden frustriert, deprimiert und ziehen sich emotional zurück.

Doch das muss garnicht sein. Sie müssen sich nur die Frage stellen: was ist notwendig, um eine bestimmte Beziehung in einer bestimmten Qualität zu führen? Was braucht's dazu? Wiegesagt: für manche Freundschaften braucht es einen Anruf jede Woche, bei anderen Menschen braucht es ein Treffen alle zwei Jahre und es muss deshalb nicht weniger intensiv sein. Und dann ist die nächste Frage: kann ich das? Will ich das? Will ich den anderen jede Woche anrufen? Oder ist mir die Beziehung weniger wichtig, so dass mir der Aufwand einfach zuviel ist, wenn ich es tun müsste, um die Beziehung am Leben zu halten. Vielleicht kennen Sie das von Ihren Eltern, die vielleicht schon etwas älter sind und Ihnen manchmal richtig auf die Nerven gehen. Um die Beziehung zu Ihren Eltern zu pflegen, tun Sie ganz andere Dinge, als für die Pflege der Freundschaft mit Ihrem besten Freund oder für eine Geschäftsbeziehung. Wenn für Ihren Partner eine bestimmte sexuelle Ausdrucksform wirklich wichtig ist, dann MÜSSEN Sie sich damit auseinander setzen, egal, ob Ihnen das persönlich am Herzen liegt oder nicht. Und Sie müssen sich die Frage beantworten, ob Ihre eigene Angst oder Ihr eigenes Unbehagen größer als Ihre Bereitschaft, dem Partner Xyz zu schenken? Wieder absichtlich das unverfängliche Beispiel mit dem wöchentlichen Telefonieren. Natürlich können Sie sagen: "jetzt stell Dich nicht so an, Telefonieren kann ja wirklich nicht so wichtig sein für eine Freundschaft! Andere muss ich ja auch nicht ständig anrufen! Du bist ja ein süchtiger Telefonfetischist!" Und vielleicht haben Sie Recht. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist nämlich der wöchentliche Anruf eine wichtige Herzensangelegenheit und die werden Sie Ihrem Freund nicht so leicht ausreden, im Gegenteil: wenn Sie anfangen, darüber zu diskutieren, was ihm gefälligst wichtig zu sein hat und was nicht, wird er sich mit seinen Gefühlen nicht ernstgenommen fühlen und wird sich sagen: "na, das ist ja ein schöner Freund, er kann nicht mal akzeptieren, dass mir das wichtig ist!" Und solange Ihr Partner nicht von Ihnen verlangt, rohe Nacktschnecken zu essen, haben Sie sogar eine faire Chance, dass das Problem mit einem sexuellen Wunsch Ihres Partners in Ihnen selbst zu suchen ist. Ihr Partner möchte gerne in einer bestimmten Art und Weise gestreichelt werden und Sie machen das nicht oder Sie können das nicht? Woran liegt es? Liegt es an Ihrem Partner? An seinen schlechten Instruktionen? An seinem mangelhaften Feedback weil er einfach da liegt wie ein toter Fisch? Oder liegt es an Ihrer mangelnden Achtsamkeit? Ich kann mich noch gut an meine erste Freundin mit 17 erinnern. Wissen Sie, was mir mit der passiert ist? Ich, 17 Jahre alt, habe damals gesagt: "Du, ich würde mich gerne hinlegen auf den Rücken und ich möchte gerne, dass Du mich mal so ganz sachte, sanft und aufmerksam streichelst." Ich wusste damals noch nichts von Achtsamkeit, noch nichts von Tantra, ich war 17. Aber ich wusste schon, das ist was, das möchte ich gerne erleben, das fühlt sich schön an, wenn es richtig gemacht wird. Und wissen Sie, was sie mir gesagt hat? "Das mach ich nicht, das ist mir zu langweilig." Naja, kann man so sehen. Für mich persönlich funktioniert eine liebevolle Beziehung so leider nicht.

Natürlich können Sie oder Ihr Partner/in sich sperren. Natürlich können Sie sagen: "Du kannst mich ja wohl nicht zu was zwingen, was ich nicht will!" Das ist Ihr gutes Recht. Keiner kann Sie zwingen und keiner will Sie zwingen, denn wenn Sie nicht mit Freude dabei sind, macht es überhaupt keinen Sinn, nur bedenken Sie die Konsequenz, wenn Sie sich nicht dahin entwickeln. Sie werden Ihre sexuelle Beziehung mit hundertprozentiger Sicherheit ruinieren. So einfach ist das. Und natürlich kann der Eine nicht auf einmal das ganze Programm fordern und der andere hat es gefälligst zu liefern, das ist Quatsch. Aber Sie müssen beide die Bereitschaft haben, Ihrem Partner das zu schenken, was er/sie sich wünscht. Weil es für ihn/sie wichtig ist. Wenn Sie sich sperren, sind die Tage Ihrer sexuellen Beziehung gezählt und Ihre Wege werden sich implizit durch emotionalen Rückzug oder explizit trennen.

Viele Menschen machen mit 60 noch dasselbe wie mit 16. Sie entwickeln sich Ihr Leben lang nicht weiter. Das ist Ihr gutes Recht. Sie haben jedes Recht dazu, mit 60 noch das Gleiche zu machen wie mit 16. Aber dann müssen Sie auch einen Partner haben, der damit zufrieden ist. Wenn Sie einen Partner haben, der sich sexuell über das Teenager-Stadium hinaus entwickelt hat, dann wird die Beziehung scheitern, wenn Sie sich nicht mit entwickeln. Sexualität ist für die meisten Menschen nichts, was immer gleich bleibt. Und GUTER Sex ist nichts, was ein junger Mensch kennt. Eine erfüllende Sexualität hat sehr viel mit persönlicher Entwicklung und Reifung zu tun. Neues lernen. Ausprobieren. Liebe empfangen und Liebe geben, neue Formen von "Lieben" entwickeln. Intimität erfahren. Achtsamkeit. Achtsamkeit ist so wichtig. Ich sage Ihnen: ich begegnete schon Menschen, die fühlten sich allein durch meine achtsame Begrüßung mehr berührt als durch die vergangenen 20 Jahre lausigen Sex in ihrer Beziehung. Achtsamkeit. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren Partner so zu küssen oder zu streicheln, wie er/sie das gerne hat, dann müssen Sie lernen, achtsamer zu werden. Und das lässt sich lernen und entwickeln, wenn man die Bereitschaft dazu hat. Eine befriedigende sexuelle Beziehung hat viel mit dem zu tun, was David Schnarch "developed taste", also entwickelter Geschmackssinn, nennt. Aber: das muss man natürlich erst einmal wollen. Man muss erst einmal den eigenen Geschmackssinn entwickeln wollen. Wenn man so sehr in seine eigene Angst und seine Scham verstrickt ist, dass man sich da nicht hintraut, dann muss man sich einen Partner suchen, für den andere Sachen wichtiger sind.

Und welche Aufgabe hat nun ein Paartherapeut in diesem Spiel? Ein Paarberater kann Ihren Partner oder Ihre Partnerin ja nicht motivieren, eine sexuelle Beziehung mit Ihnen zu führen. Das muss er/sie schon selbst wissen, ob das ein erstrebenswertes Ziel ist oder nicht. Aber wenn BEIDE sagen: "ja, wir lieben uns. Und wir wollen eine sexuelle Beziehung führen, die für uns BEIDE befriedigend ist", dann kann Ihnen ein Paartherapeut helfen. Dann kann er mit Ihnen an Ihren Mechanismen arbeiten. Wenn Sie hingegen die erotische Landkarte Ihres Partners nicht gelten lassen und nicht motiviert sind, sich selbst weiter zu entwickeln: dann sparen Sie sich das Geld für den Paartherapeuten und gehen lieber gepflegt essen oder investieren das Geld in den Scheidungsanwalt.Denn wenn nur einer die Beziehungsziele des anderen nicht gelten lassen kann: wie soll das jemals funktionieren? Wenn Sie BEIDE eine Beziehung führen wollen, aber nicht wissen, WIE Sie das anstellen sollen, dann kann Ihnen ein guter Paartherapeut Licht ins Dunkel bringen.

Ja, und warum ist eine Partnerschaft mit Krebs im Endstadium nun eine Chance? Weil Sie Ihnen Ihre Grenzen zeigt. Weil Sie dadurch lernen, dass eine gute Partnerschaft eben nicht Verschmelzung bis zum Lebensende bedeutet. Sondern dass eine gute Partnerschaft dann entsteht, wenn zwei unterschiedliche Menschen selbstbewusst aufeinander zugehen. Und sich die Hand reichen. Und gemeinsame Ziele verfolgen. Und die Ziele des anderen gelten lassen. Wenn Sie die Ziele Ihres Partners mit Füßen treten und einfach sagen "interessiert mich nicht", dann wird die Partnerschaft keine bleiben. Und deshalb ist die Krise eine Chance. Weil Sie Ihnen genau das beibringt, was Sie vielleicht vorher noch nicht begriffen haben. Und es gibt durchaus Menschen, die die Kurve kriegen und sagen: ja, habe ich mich respektlos verhalten, ich hätte vielleicht mehr Zeit in meine Ehe investieren sollen anstatt meine tollen Autofelgen zu putzen, ich mache es künftig besser, liebevoller, achtsamer. Und genau das ist Ihre Chance.

David Schnarch hat sein wichtigstes Werk für Paartherapeuten mit den Zeilen beendet, ich übersetze: Und ist man gut beraten: Liebe ist nichts für die Schwachen. Man muss stark genug sein, um einseitig zu lieben. Das ist letztendlich die Bedingung dafür, das eigene sexuelle Potenzial verwirklichen zu können. Ich wünsche uns, dass wir alle die Stärke entwickeln, gut zu lieben.

Ja, und mit diesem schönen Schlusswort möchte ich mich wieder einmal von Ihnen verabschieden. Wenn es Ihnen gefallen hat, schreiben Sie mir oder voten Sie bitte auf iTunes für diesen Podcast. Bitte bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen, Ihr Tobias Ruland

"Liebe" kommt von "lieben"

Zentrales Thema in der Paartherapie ist kommunikation. Und konstruktive Kommunikation ist alles andere als einfach. Miteinander reden ohne Vorwürfe, ohne Verletzung und ohne einen Teufelskreis anzufeuern ist nicht das, was die meisten Menschen praktizieren und auch nicht das, was die meisten Menschen gelernt haben.

In vielen Fällen möchten wir unserem Partner sagen, was uns stört. Oder was er bitte anders machen soll. Doch wie können wir das sagen, ohne in Vorwürfe zu verfallen und ohne gleich eine Abwehrreaktion hervorzurufen? Dafür gibt es drei ganz einfache Grundregeln, die schon vielen Menschen weitergeholfen haben.

1. Bevor Du sprichst, sei sicher, dass Du es nicht im Zorn tust. Wenn wir wütend oder ängstlich sind, verändert sich das Denken in unserem Gehirn und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir verletzend oder gar unfair werden. Versuchen Sie mit einen neutralen oder sogar positiven Gefühl zu sprechen.

2. Kritisiere nicht "WIE" jemand ist. Selbst wenn sich ein Mensch komplett daneben benimmt, wird er jede Kritik daran "wie er ist" persönlich nehmen. Sätze wie "Du bist immer so rücksichtslos" oder "Du warst schon immer schlampig" greifen den Charakter an, den Menschen als Person. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Person verteidigen muss und die Diskussion um die eigentliche Sache hat keine Chance mehr.

Wenn Du kritisierst oder wünschst, bleibe bei beobachtbarem Verhalten. Stell Dir eine Videokamera mit Dir und Deinem Partner vor. Was hat die gesehen oder was sollte die sehen?
Ein Beispiel: zu sagen &Quot;ich wünsche mir mehr Respekt von Dir!" bringt in 99 Prozent der Fälle garnichts, denn der Partner weiß nicht, wie er einen solch berechtigten aber unpräzisen Wunsch in die Tat umsetzen soll. Was heisst denn das konkret? Wenn ich aber sage: "Du hast mich vor allen Freunden öffentlich kritisiert und das empfinde ich als respektlos. Ich möchte nicht, dass Du mich vor anderen bloß stellst." dann weiß der Partner, was konkret gemeint ist und was er in Zukunft ändern kann.

Und daher auch der Titel dieses Artikels: konzentrieren Sie sich auf die konkreten Dinge, die getan werden sollen oder nicht getan werden sollen. Seien Sie so konkret wie möglich, denn unkonkrete Begriffe wie "Liebe", "Respekt", "Ignoranz", "Aufmerksamkeit" bedeuten für jeden Menschen etwas anderes und wenn Sie mit diesen Begriffen sprechen, sind Ärgernisse vorprogrammiert.

Klassische Paartherapie scheitert bei sexuellen Problemen

Intimität und Leidenschaft lassen sich nicht durch klassische Paartherapie entzünden und sexuelle Probleme in der Partnerschaft nicht mit Gesprächstherapie lösen.

Denn sexuelle Probleme in der Partnerschaft - in der Regel sprechen wir von Partnern, bei denen eine(r) sexuell deutlich aktiver sein möchte als der/die andere - sind nicht verhandelbar, lassen sich nicht durch "Kommunikationstraining", nicht durch Kompromisse und nicht durch Verhandlungen lösen. Das Paar kann sich nicht einfach einig sein, uneinig darüber zu sein, ob und wie Sexualität in der Beziehung gelebt oder nicht gelebt wird, denn das löst das Problem nicht.

In der klassischen Paarberatung können Sie immer einen Weg finden, bei Fragen wie Geld, Kindererziehung, Urlaub oder Schwiegermutter zu einem für beide Partner tragbaren Kompromiss zu finden. In der Sexualität funktioniert das nicht. Denn Erotik und Sexualität ist so tief emotional, dass sie nicht verhandelbar ist. Tief emotionale, persönliche Angelegenheiten sind nicht verhandelbar. Sexualität ist nicht verhandelbar.

Viele Menschen - auch viele Paartherapeuten - gehen von einer falschen Annahme aus. Diese Annahme lautet: "Ich muss nur die Beziehung in Ordnung bringen, dann wird der gute Sex schon folgen. Wenn sich die Partner nur nahe genug fühlen, dann ist eine erfüllte Sexualität nur eine Frage der Zeit." Leider ist diese Annahme komplett falsch und widerspricht dem aktuellen Forschungsstand. Sie können bis an Ihr Lebensende unendlichen Aufwand treiben, ein "Wohlfühlklima" von Sicherheit, Verständnis und Für-Einander-Da-Sein zu schaffen und werden damit jedenfalls eines nicht tun: die Leidenschaft entzünden.

Intimität und Leidenschaft, sexuelles Verlangen und Lust ist nicht Folge eine erfüllten, liebevollen Partnerschaft, sondern integraler Teil davon. Es gibt sogar Paarberater, die mittlerweile dazu raten, zuerst das desolate Sex-Leben eines Paares wieder in Ordnung zu bringen und sich dann erst um den ganzen Rest zu kümmern.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen: Sprechen Sie mich an oder kommen Sie in meine Praxis in München-Lehel.

Hypnose Partnerschaft Burnout

Podcast Folge 3 ist erschienen und hier folgt das Transkript.

Ja, hallo und herzlich willkommen zu meinem dritten Podcast. Meine Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Und heute möchte ich mit Ihnen eine Fallstudie diskutieren, ein reales Problem, das mich in diesem Fall per Email erreichte, das ich stark verfremdet habe, um die Anonymität der Person sicher zu stellen und das aber so symptomatisch ist und so häufig, dass wir eine ganze Reihe von Aspekten innerhalb der Partnerschaft anhand dieses Beispiels sehen und diskutieren können. Und ich bin sicher, Sie werden sich selbst und Ihre Partnerschaft zum Teil wiedererkennen.

Der Fall: Eine Frau lebt seit 5/6 Jahren mit einem Partner zusammen, hat ein eigenes Kind oder eigene Kinder mit in die Partnerschaft gebracht und die beiden haben sogar noch ein eigenes Kind bekommen. Die beiden haben zusammen in den Jahren viel erlebt, viele Probleme (das kann sein eine Scheidung oder Trennung von den früheren Partnern, finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit, Sorgerechtsstreitigkeiten, das Thema "Schwiegereltern", gemeinsame Wohnung usw.) gemeinsam lösen müssen, aber im Laufe der Jahre ist die Partnerschaft so ein wenig langweilig geworden, mehr eine Wohngemeinschaft, man redet nur noch über Alltagsdinge, erzählt sich nicht mehr, was einen wirklich bewegt, und die Frau hat den Eindruck, sie habe sich eigentlich immer um alles kümmern müssen (Kinder organisieren, Haushalt organisieren, Finanzen regeln). Eigentlich hat sie das gern getan, aus Liebe, aus Bemühen um die Partnerschaft, um "stark" zu sein, bis, ja bis sie eines Tages eine SMS auf seinem Handy liest, die auf eine - sagen wir - Liebelei ihres Partners mit einer anderen Frau hinweist. Da stellt sie sich natürlich die Frage, ob diese Partnerschaft Zukunft hat. Da stellt sie sich die Frage, was falsch gelaufen ist. Da stellt sie sich die Frage, ob es gut war, sich jahrelang um alles zu kümmern, während ihr Partner die Zeit vor dem Fernseher, vor der Spielkonsole oder auf dem Fußballplatz verbracht hat. Und nachdem die Wohnung eigentlich eh zu klein ist und die Nachbarschaft unerträglich, fängt sie an, mit dem Gedanken zu spielen auszuziehen. Den Mann, der immer versprochen hat, dass "wir" etwas ändern in der Partnerschaft und der mehr Zeit vor dem PC als mit seiner Partnerin verbringt, einfach mal in seiner Welt sitzen zu lassen, auszuziehen und das Leben neu zu organisieren. Irgendwie hängt sie noch an ihm, aber andererseits kann es so auch nicht weitergehen. Was soll sie tun?

Ja, was soll sie tun? Ich habe diesen Fall ausgewählt, weil sich daran ganz viele, ganz typische Aspekte zeigen lassen, die in Partnerschaften ablaufen. Und natürlich kann man nicht an einem solchen Modellfall eine allgemeingültige Lösung ableiten, die als Ersatz für eine Paartherapie dienen kann, aber wir können sehen, welche Dynamik in solchen Geschichten steckt. Und vielleicht erkennen Sie ja das eine oder andere bei sich selbst wieder und möchten es ändern.

Gehen wir strukturiert vor: Die erste und wichtigste Frage ist, welche Ziele die Menschen, beide Partner in der Partnerschaft verfolgen oder noch verfolgen. Und das erlebe ich immer wieder. Paare wissen oft garnicht, weshalb sie zusammen sind. Sie leben jahrelang zusammen und wenn man sie dann fragt, weshalb sie zusammenleben, dann fällt ihnen nicht viel dazu ein. Wenn ich Sie frage: weshalb üben Sie Ihr Hobby X aus? Oder: weshalb stehen Sie jeden Morgen auf und gehen in die Arbeit? Oder: weshalb gehen Sie in den Supermarkt Y einkaufen? Dann fallen Ihnen bestimmt gute Gründe dafür ein. Aber weshalb leben Sie mit Ihrem Partner zusammen? Machen Sie sich das einmal ganz bewusst. Weshalb haben Sie sich für ihn/sie entschieden? Würden Sie das heute immer noch tun? Wenn ja, aus welchen Gründen? Wenn nein, warum nicht? Typische Gründe, weshalb Menschen zusammen leben sind: sie lieben sich (das kommt vor), sie lieben sich nicht mehr aber sich haben sich aneinander gewöhnt, sie können oder wollen nicht alleine sein, sie haben eine gemeinsame Aufgabe wie gemeinsame Kinder großzuziehen oder ein gemeinsames Geschäft, ein Partner ist vom anderen finanziell abhängig oder lebt sogar im Luxus des anderen und hat sich einfach so sehr an diesen Luxus gewöhnt, dass er/sie ihn nicht mehr loslassen kann. Oder man hat schon so viele Probleme gemeinsam gemeistert, schon so viele Gefühle und so viel Energie investiert, das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein? Oder man würde sich fühlen, als ob man versagt hätte, wenn diese Partnerschaft auch wieder scheitert und dieses Gefühl des Versagens ist unangenehm. Oder man hängt am anderen, weil der einem das Gefühl gibt, etwas wert zu sein, während man selbst Probleme mit dem eigenen Selbstbewusstsein hat. Oder man fühlt sich gebraucht, weil der Partner in einer oder mehrerlei Hinsicht auf einen angewiesen ist. Es kann ein schönes Gefühl sein, gebraucht zu werden. Vielleicht ist der Partner einfach besonders schön oder sexy. Vielleicht persönlich ein Aas, dafür ein fabelhafter Liebhaber. Viele Männer wollen versorgt sein und brauchen jemanden, der ihnen ihre Hemden bügelt und für sie kocht, so wie es Mama immer gemacht hat. Sie sehen, es gibt unendlich viele Gründe, das waren nur ein paar, weshalb Menschen eine Ehe oder Partnerschaft eingehen. Es ist weiß Gott nicht immer Liebe, die Menschen zusammen bringt und zusammen hält. Und es macht Sinn, dass Sie einmal ganz ehrlich zu sich selbst und zu ihrem Partner/ihrer Partnerin sind und das klären. Offen ansprechen, weshalb Sie ein Paar sind. Denn wenn man einmal den romantischen Aspekt der Liebe ausblendet, dann sind es oft ganz praktische Gründe, weshalb Menschen zusammen sind und das muss nicht schlecht sein. Also: wenn ein Mann gerne bekocht wird und die Frau es liebt, ihn zu bekochen, was soll daran schlecht sein? Wenn ein älterer reicher Mann, der im Geld schwimmt, sich eine junge, knackige, repräsentative Frau sucht, die sich gerne mit Luxus verwöhnen lässt? Auch das passt zusammen. Und wenn die Partner ihre Ziele und Erwartungen an eine Partnerschaft formulieren und dann feststellen: hoppla, da passt ja fast garnichts zusammen, dann wissen Sie schon sehr genau, woher die "Ehekrise" kommt und ob sie sie meistern können. Denn: Sie können auf Dauer keine Partnerschaft führen, wenn Sie als Partner ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Entweder man trennt sich dann, oder man stellt eine Schnittmenge her, man verfolgt gemeinsame Ziele, die stark genug sind, um die Partnerschaft zu tragen. Wenn einer immer nach Norden und der andere immer nach Süden läuft, dann werden sich die Wege früher oder später trennen, selbst dann, wenn die beiden durch ein starkes Gummiband miteinander verbunden sind.

Der zweite Punkt, der auch in jeder Partnerschaft eine wichtige Rolle spielt und der mir in der Forschung und der aktuellen Paarberatung viel zu kurz kommt, weil er eben so wichtig ist, ist das Thema Akzeptanz. Was meine ich damit? Jeder von uns, jeder Mensch, möchte gerne akzeptiert werden. Akzeptiert werden heißt, dass wir so angenommen werden, wie wir sind und wie wir uns fühlen. Sie kennen sicher den Spruch "ich bin so wie ich bin" oder "ich möchte nicht, dass mein Partner mich versucht zu ändern" usw. Das ist Audruck dieser Sehnsucht, als Mensch einfach angenommen zu werden, angenommen zu sein, sich akzeptiert zu fühlen. Das ist uns wichtig, das erleben wir schon als Kinder bei unseren Eltern oder wir wünschen es uns von unseren Eltern. Wie wollen als Kinder unseren Eltern gefallen, weil wir geliebt werden wollen. Wir erfahren als Kinder, dass uns unsere Eltern bedingungslos lieben und uns annehmen. Und diese kindliche Erfahrung übertragen wir natürlich auf unsere eigenen Kinder, die wir auch dann lieben, wenn sie die ganze Nacht schreien und das Bett vollgekotzt haben; und das übertragen wir auf unseren Partner. Aber das ist eine Gratwanderung, ein Dilemma und das erkläre ich Ihnen an einem Beispiel aus der Sexualität, weil es häufig ist: nehmen wir an, Sie sind eine Frau und für Sie ist Oralsex wichtig, Sie möchten gerne, dass Ihr Partner/Mann Sie oral verwöhnt. Aber der weigert sich, der macht das nicht gern. Entweder er verweigert sich komplett oder er macht das einmal im Halbjahr, oder er macht es aber nicht richtig, oder vielleicht rennt er danach ins Bad und spült sich den Mund aus. Alles schon dagewesen. Allein in so etwas steckt eine Sprengkraft, die eine Ehe oder Partnerschaft im Laufe der Jahre komplett zerstören kann und ich sage Ihnen, weshalb. Die Frau hat eine Sehnsucht. Sie möchte verwöhnt werden, Sie findet das schön. Sie wünscht sich einen Partner, der Sie annimmt, der sich auf sie einlässt, der ihr seine Aufmerksamkeit schenkt, sich auf sie konzentriert, der sie verwöhnt, der Ihr Liebe und Sinnlichkeit schenkt. Sie möchte mit dieser Sehnsucht angenommen werden. Wenn der Mann sich verweigert, sich weigert, ihr dieses Geschenk zu machen und am besten noch losrennt und seinen Mund ausspült, wenn er sie mal zwischen den Beinen geküsst hat, dann fühlt sie sich abgelehnt, dann nimmt er ihre Sehnsucht nicht an und nimmt sie nicht ernst. Und im Laufe der Zeit kann dieses Thema immer wichtiger und wichtiger werden, so wichtig, dass es andere Themen überlagert. Weil die Frau angenommen werden will in ihrem Wünschen und Sehnsüchten, weil sie Liebe spüren will, weil Sie so verwöhnt werden möchte, wie Sie es schön findet. Und Ihr Mann lehnt das ab und lehnt sie damit ab. Die Akzeptanz fehlt und das schmerzt. Und das schmerzt jeden einzelnen Tag und erodiert die Partnerschaft. Das nagt, das tut weh, wenn es diesem Menschen wichtig ist. Auf der anderen Seite haben wir dann einen Mann, der das irgendwie eklig findet. Er lehnt ja seine Frau vielleicht garnicht ab und will sie auch nicht ablehnen, aber er mag den Geruch und den Geschmack nicht, lehnt sie also nicht bewusst ab, aber unbewusst. Und fühlt sich von ihren ständigen Wünschen "danach" überfordert. "Hey, sie weiß doch, dass ich das nicht mag, wieso fragt sie ständig danach." Und dann zieht es sich eher mehr zurück, weiß oder fühlt, dass er ihr doch nie die Leidenschaft dafür wird geben können, fühlt sich selbst nicht in seiner Art akzeptiert und blockiert zunehmend. Das ist jetzt ein Beispiel, aber es gibt Millionen anderer. Wenn ihr Partner garnicht merkt, was Sie den ganzen Tag für die Familie und die Partnerschaft leisten, dann fühlen Sie sich vielleicht unterbewertet und als Mensch nicht angenommen. Wenn Sie sich immer so sehr engagiert haben und der Partner geht dann fremd, dann fühlen Sie sich und ihre Bemühungen abgelehnt, nicht angenommen. Es gibt aber sehr oft ein Wechselspiel, es sind ja zwei Menschen mit zwei unterschiedlichen Blickwinkeln, und in diesem Wechselspiel gibt es eine Eigendynamik, die die Partner immer weiter voneinander wegtreibt. Dieses sich gegenseitig nicht annehmen und vorbehaltlos lieben können, ist nach meiner Beobachtung der wichtigste Grund, aus dem heraus die Mehrzahl aller Ehekrisen oder Partnerschaftskrisen entstehen. Wie löst man das auf? Es ist ja, wie gesagt, ein Dilemma und Dilemma heisst, es gibt keinen eindeutigen Weg, keine einzige Lösung. Sie können natürlich immer weiter in ihrem eigenen Saft braten und weiter getrennte Wege gehen, oder Sie können sich das klar machen und verstehen, dass Sie selbst und Ihr Partner akzeptiert, angenommen sein wollen. Und das müssen Sie offen diskutieren. Und weil es ein Dilemma ist, müssen sie sich hindurchmanövrieren, so gut es geht. Und dabei hängt sehr viel davon ab, wie stark der jeweilige Bereich ist, der ihnen da zu schaffen macht. Wenn Sie jemand sind, der hart arbeitet, der für den Familienunterhalt sorgt und Ihr Partner oder Ihre Partnerin macht sich einen faulen Lenz und mackert Sie vielleicht noch an, dass Sie nie "für ihn da" sind, und es ist ein wichtiger Punkt in Ihrer Partnerschaft, dann müssen Sie den ausräumen, müssen eine Lösung finden, die für beide tragbar ist, oder Sie müssen sich trennen. Wenn der Punkt weniger wichtig ist, dann heisst das, auch suboptimale Situationen akzeptieren zu können. Wenn der Punkt aber wichtig ist, dann müssen Sie gemäß Ihrer eigenen Ziele in der Partnerschaft um diesen Punkt "verhandeln". Und wenn es zu einem passablen Verhandlungsergebnis kommt, dann geht es weiter. Und wenn nicht, haben Sie entweder die gleiche Situation und es geht von vorne los oder Sie müssen die Entscheidung treffen, dass es so nicht weitergeht und sich trennen, auch wenn es weh tut. Denn am Ende gibt es nur akzeptieren oder nicht akzeptieren, damit leben oder nicht damit leben. Das hört sich zwar nach Schwarz-Weiß-Malerei an, aber wenn Sie mit etwas leben oder leben müssen oder glauben, leben zu müssen, das Sie so nicht wollen und auch nicht akzeptieren können, dann können Sie entweder lernen es doch zu akzeptieren (und das bedeutet oft: Resignation und Depression) oder es wird ihnen zu schaffen machen für den Rest ihres Lebens. Oder der Partnerschaft. Also nochmal ganz konkret an dem Beispiel von vorhin: wenn für diese Frau Oralsex wirklich wichtig ist (und es gibt Menschen, für die das wirklich wichtig ist), dass muss Sie das offen mit Ihrem Partner ansprechen. Und dann muss er entscheiden: kann ich verstehen und will ich Dir künftig schenken oder will ich nicht. Wenn er es nicht will, dann hat der damit faktisch die sexuelle Beziehung beendet, vielleicht nicht offiziell, aber Sie können sich ausmalen, wie es weitergeht, wenn er meint, sich da so durchlavieren zu können. Sie wird ihn entweder rausschmeißen, oder sich einen Liebhaber suchen oder was auch immer, da gibt's viele Möglichkeiten. Wenn er sich entscheidet und sagt: ja, ich habe begriffen, dass Dir das wichtig ist und ich möchte Dir das schenken, dann muss er es aber auch tun. Dann muss er zu einer Therapie gehen und seinen Ekel ablegen, dann muss er sich auf seine Frau einlassen, dass muss er lernen, wie sie es gerne hat, dann muss er es auch richtig tun, dann muss er mitmachen. Denn nur so wird sich in der Beziehung der beiden etwas ändern. Wenn er nur so halbherzig mitmacht oder viel verspricht und nichts hält, dann sind wir bei diesem Problem wieder auf dem Startfeld. In dem konkreten, beschriebenen Fall findet die Frau die Wohnsituation unerträglich. Sie haben sich schon Wohnungen angesehen und es gibt Wohnungen, die in Betracht kommen. Aber der Mann legt sich quer aus Gründen, die die Frau nicht kennt. Er macht einfach nicht mit, schiebt irgendwelche Scheinbegründungen vor und verfolgt dieses Ziel nicht. Wenn diese Frau nun sagt: ich kann hier nicht länger leben und die Kinder drehen durch und ihr Partner noch nicht einmal begründen kann, warum er nicht mitmacht, dann hat sie keine andere Alternative, als das Problem in ihre eigenen Hände zu nehmen. Sie ist eine selbständige intelligente Frau, sie empfindet die Situation als unerträglich und sie kann etwas tun, um diese Situation zu verbessern. Und was ihr Partner dann tut, wird sich zeigen. Im Moment ist er ihr keine große Hilfe und kann ihr nichts geben, was sie sich nicht auch selbst geben könnte. Wenn die Situation wirklich unterträglich ist und wenn Sie etwas dagegen tun können, dann lassen sie sich nicht dadurch kaputt machen. Liebe heisst nicht, dass sie alles ertragen müssen. Wenn Sie Ihre Kinder lieben, dann müssen sie ihnen klare Grenzen setzen. Dann können sie nicht akzeptieren, dass ihr Sohn andere Kinder vermöbelt oder Ihre Tochter mit dem Stein Dellen in den Kotflügel macht. Liebe heisst nicht, jedes Verhalten des Mitmenschen zu akzeptieren. Ich kann jemandem verzeihen, der mich verletzt hat, ich kann ihn sogar lieben, das heisst aber nicht, dass ich gut finden muss, was er getan hat.

Der dritte Punkt, der in diesem Fall sichtbar wird und der auch in allen Partnerschaften eine Rolle spielt, ist der Punkt der Symmetrie oder Asymmetrie. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich nicht beide Partner gleichmäßig in allen Lebensgebieten engagieren. Einer bringt mehr Geld nach Hause als der andere. Einer macht mehr Hausarbeit. Einer bringt immer die Kinder ins Bett oder macht fast immer Frühstück für die Familie. Einer kümmert sich mehr um den gemeinsamen Freundeskreis. Einer braucht mehr Freiheit als der andere. Einer braucht mehr Zeit für seine Hobbies als der andere, das ist normal. Nur weil Sie ein Paar sind, heißt das nicht, Sie müssen alles zusammen machen oder immer alles im gleichen Maße oder am Ende gegeneinander aufrechnen. Aber was schon wichtig ist: Sie sollten sich über die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft klar werden, wenn Sie es nicht sind. Genauso, wie Sie sich zusammensetzen sollten und sich über Ihre Ziele klar werden, genauso brauchen Sie eine Aufgabenverteilung in der Partnerschaft. Wenn sie sich nicht natürlich einläuft (was bei vielen Paaren gut funktioniert), dann müssen Sie sich zusammensetzen und das sogar aufschreiben. Und dann hat jeder seine Liste mit Aufgaben und um die hat er sich zu kümmern. Und wenn es nicht klappt, muss man drüber reden, offen bitte und mit einem liebevollen Umgang miteinander, aber ansprechen. Wenn man das nämlich nicht macht, dann fühlt sicher einer immer überlastet ("ich mach ja alles hier") und der andere immer überfordert ("ich soll alles machen und nie ist es recht, was ich tue."). Und egal, ob es um das Thema Hausarbeit geht oder Kinder oder Finanzen oder gemeinsame Unternehmungen, wenn einer das Gefühl hat, dass er mit der Aufgabenverteilung unzufrieden ist, dann sollten Sie sich zusammensetzen und eine Verteilung finden, die für Ihre Partnerschaft und Ihre Lebenssituation funktioniert. Wenn wie in unserem Fall die Frau eigentlich die gesamte Verantwortung für das Familienleben trägt und der Mann den Großteil seiner Zeit vor dem Fernseher oder der Playstation verbringt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es in dieser Partnerschaft kracht, denn die Asymmetrie ist deutlich und die Frau möchte das so nicht mehr. Auch hier wieder Verhandlungssache: macht er mit oder verweigert er seine Mitarbeit? Wenn er sie verweigert und die Situation ist für sie unerträglich ist, dann beendet sich die Partnerschaft damit faktisch von alleine, denn Partnerschaft heisst ja "Partner sein". Und "Partner sein" muss man wollen. Und da muss man auch etwas dafür tun. Und zwar beide.

Ja, ich hoffe, es war wieder interessant für Sie, zuzuhören und ich habe Ihre Gedanken ein wenig angeregt. Ich habe eine Reihe von Ideen für die nächste Folge, aber wenn Sie ein Thema haben, das Sie besonders interessiert und das Sie vertieft haben möchten, schreiben Sie mir an info@tobias-ruland.de und ich ziehe ich das gerne in Erwägung. Ich wünsche ich Ihnen eine wundervolle Zeit, freue mich, wenn wir uns zu nächster Gelegenheit wieder hören oder gar sehen, bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen. Ihr Tobias Ruland

Sexuelle Probleme stehen meist im Zentrum

In meine Praxis in München-Lehel kommen Paare zur Paartherapie und Männer und Frauen zur individuellen Sexualtherapie. Probleme mit dem Begehren/Lust, Erektions- und Ejakulationsprobleme bei Männern sowie Orgasmusprobleme bei Frauen stehen dabei im Vordergrund.

Während Männer und Frauen gezielt Hilfe zur Entwicklung ihrer Sexualität suchen und wissen möchten, wie sie Ihre Empfindungsfähigkeit besser steuern können, kommen Paare in der Regel mit anderen Anliegen: "nicht mehr so viel streiten", "wieder miteinander lachen können" oder "Liebe empfinden, so wie früher, als wir uns kennengelernt haben".

Beim genauen Hinsehen entpuppen sich dann diese Anliegen, als das, was sie wirklich sind: Ausdruck einer ungemeinsamen, für beide Partner belastenden, Sexualität. Meistens haben sich die sexuellen Probleme über Jahre entwickelt und gefestigt und nach und nach die Beziehung belastet. Oder anders ausgedrückt: den klassische Ansatz der Paarberatung "bringen wir dem Paar erstmal Kommunikation, Empathie und Geduld bei und dann wird es mit dem Sex schon klappen" kann ich für meine Praxis getrost als kompletten Unsinn bezeichnen. Denn der Streit, das "keine Zeit mehr miteinander verbringen", die Kompromisslosigkeit des Partners, das "Zickigsein" usw. ist in fast allen Fällen in meiner Praxis auf eine unbefriedigende gemeinsame Sexualität zurück zu führen. Nur sind viele Paarberater keine Experten für Sexualität und meiden das Terrain, auf dem sie sich unsicher fühlen. Und so doktern die Paare stundenlang an Fragen herum, wer wann den Müll runterbringt, ohne dass es zum Streit kommen muss.

Viele Paartherapeuten sind inzwischen dazu übergegangen, den klassischen Ansatz "bringen wir erst die Beziehung in Ordnung und die Sexualität wird dann schon hoffentlich folgen" komplett auf den Kopf zu stellen und dieser neuartige Ansatz verspricht eine deutlich höhere Erfolgsrate als der klassische.

Bringen wir erst einmal gemeinsam die Paarsexualität in Ordnung. Ich sage Ihnen, der Rest ist danach ein Kinderspiel.

Burn-Out Prävention Podcast

In dieser Folge geht es um DAS Präventionsmittel gegen Burnout. Auf dieser Seite finden Sie das Transkript.

Ja hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Die heutige Folge meines Podcasts beschäftigt sich mit dem ultimativen Burnout-Präventionswerkzeug, das es gibt, ist für jedermann auch ohne Psychotherapie anwendbar und hilft ihnen in der Partnerschaft, im Beruf, im Straßenverkehr, in allen Alltagssituationen, eigentlich überall. Es ist sozusagen das Schweizer Taschenmesser für jede Lebenslage und wenn Sie mit diesem Werkzeug wirklich umzugehen wissen, dann sind Sie auch sicher vor dem Burn-Out-Syndrom.

Burnout ist ein Thema, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnt. Sie haben sicher jemanden in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis, der an Burnout leidet oder litt oder Sie sind sogar selbst betroffen, wenn Sie diesen Podcast hören. Unter Burn-Out versteht man einen Zustand anhaltender körperlicher oder seelischer Erschöpfung, der dadurch entsteht, dass sich der Betroffene stark für etwas oder jemanden einsetzt und dadurch andauernder emotionaler Belastung ausgesetzt ist. Ist diese Belastung zu hoch und dauert zu lange an, kann der Betroffene die Last nicht mehr tragen und fühlt sich irgendwann gleichgültig, entmutigt, ermüdet, wird nervös, mißtrauisch und körperlich krank.

Obwohl die Symptome und auch die Ursachen gut erforscht sind, konzentriert sich die Burnout-Prävention heute in erster Linie darauf, den Menschen durch Verhaltensstrategien, Selbstbeobachtung und -aufmerksamkeit, Zeitmanagement und Entspannungsübungen vor dem Burn-out zu schützen. Diese wichtigen, von verantwortungsbewussten Unternehmen unterstützten Maßnahmen leisten zweifellos ihren Beitrag, den Einzelnen vor den Folgen des Ausbrennens zu bewahren, können jedoch nicht jeden Menschen erreichen. Burn-out im privaten Bereich ist nicht weniger häufig als im beruflichen Umfeld und die wenigsten Unternehmen führen eigene Präventionsprogramme durch. In der Folge bleiben die meisten Menschen sich selbst überlassen.

Allen Burn-Out-Betroffenen gemeinsam ist, dass Sie aus dem seelischen Gleichgewicht geraten sind und oft verliert der Einzelne die Balance nicht nur aufgrund äußerer Faktoren, sondern insbesondere auch aufgrund eigener Persönlichkeitsanteile: nicht loslassen können, verbissen weiterkämpfen, Helfersyndrom, Gier nach Geld oder Anerkennung und niedrige Frustrationstoleranz sind nur einige individuelle Faktoren, die Burnout begünstigen. Lernt man, diese Persönlichkeitsanteile zum Positiven zu verändern, beugt man damit auch dem Ausbrennen vor. Dies erfordert aber den Fokus des Einzelnen auf ganz bestimmte Punkte seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Es geht also nicht darum, einfach mal ein bißchen Meditation zu lernen, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und das Mobiltelefon abzuschalten. Nein, es geht auch und insbesondere darum, seine eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln und resistenter gegen die Faktoren zu werden, die Burn-Out begünstigen.

Diese Entwicklung, die ich Ihnen im Folgenden erklären möchte, ist etwas universelles, etwas, das Sie selbst im Leben weiter bringt. Inspiriert haben mich die 4 Punkte der Balance von David Schnarch, ich habe diese 4 Punkte jedoch weiterentwickelt und wenn Sie die Arbeiten von David kennen oder ein wenig den Buddhismus kennen, wird ihnen das eine oder andere bekannt vorkommen.

Der erste Punkt betrifft unseren Körper. Und beschäftigt sich mit einer ganzen Reihe von Fragen wie: Wie fühle ich mich in meinem Körper? Dazu gehört seine Empfindungen wahrzunehmen und sogar steuern zu können. Können Sie ihre Aufmerksamkeit lenken? Wie fühlt sich Ihre Brust im Moment an? Wie ihr Nacken? Wie Ihr rechter Fuß? Spüren Sie, was in Ihrem Körper vor sich geht? Wissen Sie, wann es Ihnen gut geht? Kann ich mich entspannen, wenn es nötig ist? Bin ich mir bewusst, wann ich eine Pause oder Zeit für mich brauche? Ernähre ich mich richtig? Ein Großteil der Menschen, die sich mit Burn-Out-Symptomatik an mich wenden, haben ein Problem mit der Ernährung. Dabei geht es nicht darum, keine Süßigkeiten zu essen oder zu viel fette Schweinshaxe. Es geht darum, BEWUSST zu essen. Dieses bewusste Essen ist unglaublich wichtig. Ausgewogen, gesund und bewusst essen. Nur wenn Sie in Ihren Tank die richtigen Nährstoffe einfüllen, kann ihr Körper und Ihr Gehirn richtig arbeiten. Und wenn Sie Ihren Körper mit ungesunder Ernährung quälen, dann kann er zwar "leben", aber es arbeitet weit unter seinen Möglichkeiten und wird irgendwann krank. In der nächsten Folge unseres Podcasts gebe ich Ihnen eine wundervolle Übung, mit Ihrem Körper in Kontakt zu kommen und Ihre Aufmerksamkeit zu schärfen.

Der zweite Punkt betrifft das Ich, Ihr Selbst. Weiß ich, wer ich bin? Wer bin ich? Welches Bild habe ich von mir selbst? Was haben mir andere Menschen eventuell über mich eingeredet? Habe ich ein realistisches Bild von mir selbst? Burnout-Betroffene haben sehr oft ein realistisches Bild von Ihrem Selbst verloren. Eifern einem Selbstbild hinterher, das in den Augen ANDERER entsteht. Weiß ich, was ich wirklich möchte? Wie sehen die Prioritäten in meinem Leben aus? Habe ich überhaupt Ziele im Leben? Habe ich Prioritäten? Oder lebe ich einfach in den Tag hinein? Bin ich überhaupt in der Lage, im privaten wie im beruflichen Umfeld meine eigenen Ziele zu erkennen und zu formulieren? Traue ich mich, diese Ziel auch auszusprechen und daran zu arbeiten, selbst auf die Gefahr eines Konflikts hin? Verstecke ich mein Ich im Falle des Konflikts? Nehme ich mich zurück? Und bin ich in der Lage, die Motive hinter meinem eigenen Handeln zu erkennen und zu bewerten? Wenn Sie Ihr Ich, Ihr Selbst verleugnen, wissen Sie, was dann passiert? Dann wachen Sie eines Tages auf wie im falschen Film und haben den Eindruck, nicht mehr Sie selbst zu sein. Sie opfern sich auf - für was auch immer - Sie geben sich und Ihre Bedrüfnisse auf und irgendwann fragen Sie sich: und wo bin ich abgeblieben? In ganz vielen Ehen / Partnerschaften läuft ein sehr ungesunder Prozess. Die Partner denken, sich immer (oder oft) nach dem Partner richten zu müssen, vernachlässigen sich selbst und brechen dann irgendwann aus der Beziehung aus, weil sie das Gefühl haben, sich selbst verloren zu haben, nicht mehr sie selbst zu sein.

Der dritte Punkt ist ebenfalls sehr wichtig: kann ich mich selbst, meine Gefühle managen? Wie reagiere ich in angespannten Situationen? Bleibe ich ruhig oder rege ich mich schnell auf? Kann ich in brenzligen Situationen so reagieren, wie ich das selbst möchte? Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie kommen in Ihr Esszimmer und Ihr kleines Kind sitzt da, hat die Ketchup-Flasche vom Tisch genommen und malt mit dem Ketchup die Wand an. Wie reagieren Sie? Sie können das Kind totschlagen. Das kommt vor und das lesen Sie dann in der Bild-Zeitung. Oder Sie fahren aus der Haut und schreien das Kind an. Oder Sie sagen: "ich hab Dir doch schon tausendmal gesagt, Du sollst nur auf dem Papier malen!" Oder Sie seufzen nur und machen die Sauerrei still weg. Oder Sie setzen sich mit der Mayo-Flasche daneben und machen mit. Bin ich in der Lage, mir in einer bestimmten Situation zu überlegen, wie ich reagieren möchte und mich selbst zu beruhigen oder gehen meine Gefühle mit mir durch, wenn es schwierig wird? Erkenne ich meinen eigenen Stress-Level und kann ich ihn selbst wieder reduzieren? Und ganz wichtig: Kann ich Verletzungen und Enttäuschungen, die ich erleide, gut verarbeiten oder setzen sie mir sehr zu? Alle Menschen werden verletzt, wir alle erleiden Enttäuschungen. Bin ich in der Lage, diese Verletzungen selbst zu heilen? Wenn uns jemand beleidigt hat, sind wir in der Lage, diese Beleidigung wegzustecken oder beschäftigen wir uns noch Tage, Wochen, gar Monate damit? Das letztere, also Gedankenkreisen um eine vermeintliche Verletzung, verstärkt die Verletzung und macht sie ernster als sie ist.

Und der vierte und letzte Punkt dreht sich um die Frage: Wie schätze ich meine Ausdauer ein bei den Dingen, die mir wirklich wichtig sind? Bleib ich dran oder geb ich leicht auf. Damit ist NICHT gemeint, dass Sie solange arbeiten sollen, bis Sie tot umfallen. Denn das eigentlich wichtige kann nur die Gesundheit sein, nicht die Arbeit. Wie hoch ist meine Frustrationstoleranz? Wann ist es sinnvoll, eigene Bemühungen zu reduzieren oder aufzugeben und die Verluste zu begrenzen? Wo möchte ich wirklich dranbleiben? Sie sehen, das hängt eng mit der Frage zusammen: wer bin ich und was will ich wirklich. Und wenn ich das dann weiß, dann muss ich die Ausdauer haben, da dran zu bleiben, auch wenn es vielleicht weh tut. Auch wenn es anstrengend ist.

Wenn Sie diese vier Punkte wirklich verstehen, beherzigen und entwickeln, dann können Sie einen großen Sprung machen. Denn die ehrliche und selbstkritische Auseinandersetzung mit diesen Fragen lässt Menschen persönlich reifen und ermöglicht es Jedermann auch ohne aufwändige Psychotherapie seine eigene, individuelle Balance zu halten, im privaten wie im beruflichen Bereich. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen. Ihr Tobias Ruland.

Erfahrung mit Paartherapie in München?

ist ein häufige Frage, die mir persönlich und in Internet-Foren gestellt wird.

Da die Paartherapie bzw. Paarberatung in der Regel kein medizinisches Krankheitsbild darstellt, gehen Sie als selbst zahlender "Kunde" durch den gleichen Auswahlprozess, als wenn Sie einen Handwerker auswählen oder ein neues Auto kaufen. Hat der Therapeut Erfahrung mit "unserem" Problem? Wer hat schon gute Erfahrungen gemacht? Wie weit muss ich fahren? Männlicher Therapeut oder weibliche Therapeutin? Wie sind die Wartezeiten?

In jedem Fall kann und muss ein kostenloses Vorgespräch zum Kennenlernen möglich sein. Paartherapie ist zwar selten Psychotherapie im klinischen Sinne, aber immer sehr persönlich und im Gegensatz zur Individualtherapie müssen BEIDE Partner darauf vertrauen können, dass der Therapeut der Richtige ist. Schilder Sie "Ihr Problem" und gewinnen Sie im Vorgespräch einen Eindruck davon, wie der Therapeut an das Problem herangeht. Sie können im Vorgespräch keine Lösung erwarten, wohl aber einen konkreten Vorschlag, in welchen Schritten Sie zu einem Ergebnis kommen.

Keine Lust auf Sex

Podcast Nr. 2 ist erschienen! Und hier folgt das Transkript. Viel Vergnügen!

Ja, hallo und herzlich willkommen zum zweiten Podcast zum Thema "Sexuelle Lustlosigkeit in Partnerschaften". Meine Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München.

Im letzten Podcast hatten wir uns die Frage gestellt, welche Gründe häufig sind für eine unbefriedigende Sexualität in der Partnerschaft. Mich haben eine ganze Reihe von Zuschriften erreicht und der Podcast ist allein in der ersten Woche über 1000 mal heruntergeladen worden, vielen Dank für diesen enormen Zuspruch! Einige Hörer fanden sich in der ersten Folge nicht ganz wieder. Mich erreichten Zuschriften wie "ich bin erst ein halbes Jahr mit meinem Freund zusammen und es läuft schon nichts mehr" oder "meine Frau war von Anfang an wie blockiert, jetzt sind wir 20 Jahre verheiratet und hatten noch nie so etwas wie eine gemeinsame Sexualität". Ja, das gibt es auch, leider nicht selten. Und ja, das ist ein Problem. Und ja, da spielen noch ganz andere Mechanismen eine Rolle als die, die wir in der ersten Folge besprochen hatten. Es gibt Menschen, die haben große Schwierigkeiten, überhaupt enge Beziehungen aufzubauen und zu halten. Vielleicht eine sehr rigide, lustfeindliche Erziehung. Vielleicht ein Trauma, vielleicht eine Missbrauchserfahrung, das ihn / sie schwer belastet und eine offene, annehmende Sexualität behindert. Das alles ist in dem Fall zu klären, es gibt tausend Möglichkeiten. Ich gehe im Folgenden davon aus, das da zwei Partner sind, die sich lieben, die gerne ein Paar bleiben wollen, die schonmal Sex – vielleicht sogar guten Sex hatten - und deren Sexualität über die Jahre eingeschlafen ist. Und wie im letzten Podcast beschrieben, hat sich das Paar für die 4. Möglichkeit entschieden, d.h. gegen die Trennung, gegen die Außenbeziehung, gegen die Resignation und dafür, die Sache in die Hand zu nehmen und etwas zu ändern. Die anderen Fälle sind auch interessant, aber sind ein ganz eigenes Thema vielleicht für einen anderen Podcast.

Wir haben also zwei Partner, von denen einer gerne sexuell aktiver sein möchte, der andere eher lustloser oder uninteressierter. Und wir hatten in der letzten Folge besprochen, dass der sexuell weniger aktive Partner oft die Tendenz zeigt, das Thema herunterzuspielen, während der aktivere Partner tendenziell eher überdramatisiert. Daraus ergibt sich ein Teufelskreis aus Druck, Widerstand, gegenseitigen Vorwürfen und zunehmendem "Reagieren auf die Fehler des anderen". In der heutigen Folge soll es nun darum gehen, wie man sich aus diesem Teufelskreis wieder befreien kann.

Ich sehe immer wieder drei Komponenten, die notwendig sind, aus diesem Teufelskreis auszubrechen:

  1. Der aktivere Partner muss gelassener werden,
  2. der weniger aktive Partner muss aktiver werden, und
  3. beide Partner müssen aneinander wachsen und ihre Partnerschaft weiterentwickeln.

Das hört sich alles einfach und logisch an, ist es eigentlich auch, aber ist nicht selbstverständlich, und man muss über jeden einzelnen Punkt schon ein bißchen wissen, bevor das gelingt. Und es ist auch nicht unkontrovers. Es gibt Autoren und Paarberater, die versuchen tendenziell den aktiveren Part zu dämpfen (nach dem Motto: reg Dich nicht so auf und mach das Beste aus dem, was Du kriegst) und es gibt Autoren und Paarberater, die setzen schwerpunktmäßig an der Lustlosigkeit des weniger aktiven Partners selbst an. Und zu dem Punkt kann man sagen: Die psychiatrische Fachliteratur geht davon aus, dass ein Drittel aller Frauen und etwa ein Fünftel aller Männer von "fehlender Lust" betroffen sind und das ist sogar als psychiatrisches Störungsbild bekannt. Nur: wo kein Kläger, da kein Richter, d.h. solange es keinen stört, gibt es auch kein Problem. Das gleiche gilt übrigens für Orgasmusstörungen, aber das nur am Rande, denn solange der Mensch nicht unter seiner Orgasmusstörung leidet, worüber soll man sich aufregen, faktisch gibt es ja kein Problem.

Der Ansatz, den ich favorisiere, ist schwieriger umzusetzen als die beiden anderen, weil beide Partner an sich arbeiten müssen, beide müssen motiviert sein und beide müssen sich um die Partnerschaft bemühen. Das ist natürlich deutlich komplizierter, wenn ich zwei Leute ins Boot holen muss mit dem gleichen Ziel. Aber dafür verspricht dieses Vorgehen – wenn die Partner erfolgreich sind - auch das beste Endergebnis. Über jeden einzelnen der drei Punkte, also der aktivere Partner muss gelassener werden, der Passive aktiver und beide müssen aneinander wachsen, könnte ich jeweils ein Buch schreiben, aber ich versuche, mich kurz zu fassen, damit Sie am Ende dieses Podcasts einen ersten Kompass in der Hand halten und wissen, wie Sie weitergehen.

Zum ersten Punkt: Der aktivere Partner muss gelassener werden. Ist leicht gesagt, aber wenn Sie sich vor Augen halten, dass ja der ganze Konflikt primär entsteht, weil einer gerne möchte und der andere zu selten mitmacht, und dass sich daraus ja schon eine Spirale aus Enttäuschungen, Druck und Widerstand, gegenseitigen Vorwürfen, vielleicht Streit, Drohungen, vielleicht sogar eine depressive Erkrankung entwickelt hat, dann ist das leichter gesagt als getan. In der Regel hat der aktivere Partner nämlich den Druck, leidet, und der passive Partner bestimmt letztendlich, ob und wie oft und in welcher Qualität es überhaupt zu irgendeiner sexuellen Begegnung kommt. Wenn der Aktive Leidensdruck spürt und der Passivere die eigentliche Macht über die sexuelle Beziehung ausübt - er oder sie entscheidet ja, ob und wann und was gemacht wird - dann klingt es zunächst für den Aktiven wie blanker Hohn, erstmal gelassener mit dem Thema umzugehen. Denn die Befürchtung ist natürlich groß, dass sich dann gar nichts mehr rührt, wenn man nicht Druck macht und das Thema einfach auf sich beruhen lässt. Wie soll man denn da weiterkommen? Tatsächlich hat das mit der Gelassenheit zwei wichtige Aspekte, die man garnicht hoch genug hängen kann: erstens hilft Ihnen die Gelassenheit, psychisch gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, wenn Sie die Depression schon erwischt hat. Und das meine ich ganz ernst. Wenn Sie sich immer im Kreis drehen, darüber nachgrübeln, sich immer wieder was Neues ausdenken, Ihren Partner unter Druck setzen und so weiter, dann tun sie sich selbst keinen Gefallen, dann machen Sie sich verrückt. Das heisst nicht, dass Ihnen das, was Ihnen wichtig ist, plötzlich egal sein soll. Sondern, es heisst, dass Sie ein wichtiges Ziel vor Augen haben, das auch verfolgen, aber nicht um den Preis, darüber den Verstand zu verlieren oder eine Kurzschlusshandlung zu begehen. Der zweite Aspekt ist, dass Gelassenheit ganz bewusst den Druck raus nimmt. Was Sie vor sich haben ist eine Reise, eine Entwicklung, die bei vielen mehrere Jahre dauert, das ist nicht von heute auf morgen zu haben. Druck haben Sie vielleicht schon ausprobiert. Und hat es funktioniert? Druck erzeugt Widerstand. Was passiert, wenn Sie Ihren Kindern sagen: "Schluss jetzt, schlaf jetzt, jetzt ist Ruhe!". Meine Kinder - und alle Kinder die ich kenne - sagen in der Regel: "ich will aber nicht schlafen!" Was bringt es, wenn Sie den Druck erhöhen? Schläfern Sie mit Druck Ihre Kinder ein? Oder schüren Sie den Konflikt? Wissen Sie, was bei meinen Kindern super funktioniert? Ich sag Ihnen: "Du sollst ja garnicht schlafen, Du darfst. Jetzt schauen wir mal, wer am längsten wach bleiben kann, wer am längsten die Augen offenhalten kann. Aber auf keinen Fall die Augen zumachen, verstanden? Ja, so ist es gut. Immer schon darauf konzentrieren, nur nicht die Augen zufallen lassen!" Probieren Sie dieses Spiel aus, im "Notfall" sind meine Kinder nach spätestens 5 Minuten eingeschlafen. Also: Druck raus, gelassener werden, der Entwicklung Raum geben. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Lassen Sie es wachsen, in einer schönen Ecke des Gartens, in der Sie die Samen ausgestreut haben. Trampeln Sie nicht darauf herum und geben Sie ihm die notwendige Zeit zum Wachsen.

Wenn Sie Probleme mit der Gelassenheit haben, es gibt eine Reihe von Büchern zu dem Thema, ober Sie sprechen Ihren Therapeuten darauf an und machen vielleicht ein paar Psychotherapie-Sitzungen nur dazu, oder Sie warten auf einen speziellen Podcast zu diesem Thema. In meiner Praxis wende ich gerne eine spezielle Technik eines meiner Hypnosetherapie-Lehrer an, die letztendlich eine spezielle Meditationstechnik ist und die darauf abzielt, die Fixierung auf bestimmte Gedanken oder Denkmuster, das Grübeln, die man loslassen möchte, aufzugeben. Funktioniert sehr gut und kann von jedermann in relativ kurzer Zeit erlernt werden. Führt zu weniger Streit, größerer Entspannung, offenerem Umgang, sie werden es lieben.

Zum zweiten Punkt: der weniger aktive muss aktiver werden. Das größte Hindernis dabei ist, was Sie selbst denken oder sagen: "ich hab aber keine Lust", "was soll ich denn machen", "Sex find ich langweilig", "ich würde ja gerne, aber wenn mich mein Partner anfasst, dann ist alles aus" und so weiter. Sie haben Ihre ganz eigene Art, das auszudrücken. Das Wichtigste ist, dass Sie sich die Frage stellen, was denn tatsächlich das Hindernis ist, was hält Sie zurück? Also: nehmen wir an, ihr Partner turnt Sie ab, sobald er sie anfasst. Dann ist es nicht hilfreich, das einfach als unumstößlichen Fakt anzunehmen, in Stein gemeißelt, sondern dann ist es Ihre Aufgabe als Paar, damit umzugehen und herauszubekommen, wie das entstanden ist und wie Sie es ändern können. Also einfaches, alltägliches Beispiel: Sie sind eine Frau und das, was Ihr Mann im Bett "so macht", nervt sie eigentlich. Er ist ja irgendwie bemüht, aber eigentlich macht er gar nicht, was Ihnen gefällt und irgendwie trauen Sie sich auch nicht, das zu sagen, weil er dann entweder beleidigt ist, oder weil Sie ein gutes Herz haben und ihn nicht verletzen wollen. Jetzt machen Sie das seit 10 Jahren mit, eigentlich ist es grauenvoll und eigentlich wollen Sie sich schon gar nicht mehr anfassen lassen, weil Sie schon wissen, worauf es hinausläuft." In diesem Fall haben Sie die Erkenntnis schon, was schief läuft, Sie haben nur noch keine Weg gefunden, aus der Erkenntnis die Veränderung zu bewirken. Wenn Sie jetzt beide diesen Podcast hören und wissen, Sie wollen und Sie müssen etwas ändern, dann fassen Sie sich ein Herz und reden miteinander darüber. Respektvoll bitte, konstruktiv, ohne Vorwürfe. Wenn Sie es nicht alleine hinbekommen, lassen Sie sich bitte dabei helfen.

Was, wenn Sie die Erkenntnis noch nicht haben? Häufig: Frau hat noch nie einen Orgasmus erlebt und weiß gar nicht, wozu die Aufregung, weiß auch nicht warum man das braucht und vermisst nichts. Anderes Beispiel: Mann hat über die Jahre eine psychogene Impotenz entwickelt, die an seinem Selbstbewusstsein als Mann nagt, und für die es keine organische Ursache gibt und für die er gar keinen Grund kennt. Aber irgendwie ist es nicht mehr so wie früher und seine Frau macht ihn überhaupt nicht an. Und wenn sich mal so etwas wie eine Erektion einstellt, dann ist sie meist schnell wieder weg und er weiß gar nicht, weshalb. Das kommt relativ häufig vor. In diesen Fällen fehlt die Erkenntnis noch. Das ist ein klassischer Fall für eine Sexualtherapie. Und das muss überhaupt nicht so klinisch sein, wie sich das Wort anhört, es gibt mittlerweile eine ganze Reihe Therapeutinnen und Therapeuten für Männer und Frauen, die nicht eine blaue Pille verschreiben und damit sind alle Probleme der Welt gelöst, sondern die sehr ernsthaft, konzentriert und intensiv mit den Frauen und Männern einen Weg gehen, die Sexualität zu entdecken, wiederzuentdecken, zu entwickeln, und wieder erfahrbar zu machen. Es gibt auch sehr schöne Bücher zu diesem Thema und DVD-Kurse. Egal, welchen Weg Sie wählen, sie müssen sich selbst die Zeit und den Raum geben, Ihre Sexualität so zu entdecken und zu entwickeln, dass Sie sie mit einem Partner oder einer Partnerin teilen können. Sie können ja nicht teilen, was sie selbst nicht haben. Wenn es also psychische Ursachen gibt, weshalb Sie mit Ihrem Partner oder vielleicht gar keine Sexualität leben können, dann packen Sie Ihren Rucksack und machen Sie sich auf eine wundervolle Entdeckungsreise durch die Wunder Ihres Körpers. Sie werden staunen! Nur als kleinen Vorgeschmack, um Sie neugierig zu machen: jede gesunde Frau ist körperlich in der Lage, einen Orgasmus mit Ejakulation zu haben. Und jeder Mann ist körperlich in der Lage, mehrfache Orgasmen ohne Ejakulation zu haben. Auch das vielleicht mal ein extra Podcast.

Vielleicht ist das bei Ihnen aber garnicht so gravierend. Orgasmus und ggf. Erektion sind eigentlich kein Problem, aber "irgendwie bringt's das nicht, es ist so langweilig, warum soll ich mich für das bisschen abrackern, so richtig Spaß macht das nicht, das ist mir zu mühsam." Wenn Sie an diesem Punkt stehen, dann ist das erste Ziel, es "gut" zu machen. Und wenn Sie selber etwas dafür tun müssen, damit es gut wird, dann probieren Sie es einfach aus. Und wenn Ihr Partner etwas tun kann, damit es interessanter oder besser wird, dann sagen Sie es ihm bitte. Die meisten Frauen können mit der billigen rauf/rein/raus/wie-war-ich-Nummer nichts, absolut nichts, anfangen. Wenn Sie als Frau darauf keine Lust haben, dann muss ich Ihnen leider Recht geben und dann muss sich Ihr Mann umstellen. Und was Sie sich vorstellen, das sollten Sie einfühlsam, aber unmissverständlich formulieren. Jede Beziehung, auch jede sexuelle Beziehung, kann nur dann erfüllend und erfolgreich sein, wenn sich BEIDE darum bemühen und beide WOLLEN, dass es schön wird. Sobald einer nicht mitmacht, stehen Sie in dieser Beziehung auf verlorenem Posten.

Wie schon im letzten Podcast erwähnt: Sexualität hat nicht nur eine Hormon- sondern vor allem auch eine innerpsychische und eine Lernkomponente. Sie können sich Sexualität buchstäblich abgewöhnen. Wenn Sexualität in Ihrem Denken und Fühlen und Handeln keine Rolle spielt, wie soll sie dorthin kommen, wenn nicht durch äußere Faktoren (also z.B. Ihren Partner oder einen Therapeuten oder ein Buch) oder durch ihre eigene Erkenntnis, dass das eigentlich so nicht schön ist und dass Sie vorangehen möchten. Wie auch immer Sie an den Punkt gelangt sind, an dem Sie heute stehen: Sie müssen etwas anders machen als die letzten Jahre. Wenn Sie immer das gleiche tun, was Sie immer schon getan haben, müssen Sie sich nicht wundern, wenn Sie immer das gleiche, unbefriedigende Ergebnis bekommen. Vielleicht standen Sie jahrelang vor einer Tür, haben gedrückt und gedrückt und fester gedrückt, und sind frustriert, weil die blöde Tür nicht aufgeht, und dabei hätten Sie einfach nur mal ziehen müssen. Lachen Sie nicht, ganz viele Probleme, auch in der Partnerschaft, laufen nach genau diesem Muster.

Zum letzen Punkt: als Paar aneinander wachsen. Was heißt das? Im Grunde heißt das, dass Sie sich selbst weiterentwickeln müssen, jeder Mensch entwickelt sich weiter, jeden Tag, und, dass Ihr Partner mitziehen muss, also ebenfalls eine Entwicklung durchmacht. Der große Psychotherapeut Carl Gustav Jung hat den Begriff der "Individuation" geprägt. Individuation ist - vereinfacht gesagt - dass wir uns schrittweise unabhängiger werden. Dass wir uns z.B. irgendwann von den Wertvorstellungen anderer Menschen, z.B. unserer Eltern lösen. Dass wir nicht das nachplappern, was uns ein anderer vorgibt, sondern eigene Gedanken haben. Dass wir lernen, auch andere enttäuschen zu müssen, um unsere eigenen Vorstellungen vom Leben verwirklichen zu können. Dass wir Konflikte austragen und aushalten müssen, wenn es um unser eigenes Wohl geht. Kurzum: Individuation ist die schrittweise Reifung unserer Persönlichkeit und sie macht uns zu einem unabhängigeren, reiferen Menschen. Der bekannte amerikanische Paartherapeut David Schnarch hat dasselbe "Differenzierung" genannt. Den Link zu seinem sehr lesenswerten Buch finden Sie auch im Transkript dieses Podcasts auf meiner Website www.tobias-ruland.de. Und Differenzierung heisst letztendlich, dass die Partner lernen, als zwei voneinander unabhängige Menschen zu agieren, sich mit ihrer Unabhängigkeit wohlfühlen, auch auf den anderen nicht eifersüchtig oder gar böse sind, wenn der unabhängig agiert und dann als zwei gleichberechtigte, unabhängige Partner entscheiden können, eine Partnerschaft einzugehen, eine Beziehung zu pflegen, mit ganz bestimmten Zielen. Und so wie die Individuation Jungs eigentlich immer aus einer Konfliktsituation heraus fortschreitet, so sieht Schnarch einen Komfortzyklus in der Partnerschaft, da fühlen wir uns geborgen, sicher, wohl miteinander, dann bricht einer der beiden Partner aus dem Komfortzyklus aus und möchte sich und die Partnerschaft in einer bestimmten Weise weiterentwickeln, es kommt zum Konflikt und damit hebt er/sie die Partnerschaft vom Komfort- in den Angstzyklus. Und im Angstzyklus geht es dann um die Frage, ob der Partner an der Entwicklung teilnimmt / teilnehmen möchte, oder die Beziehung am Ende als Partnerschaft scheitert. Das hört sich jetzt ziemlich theoretisch an, aber Schnarch hat in seinem Buch viele viele Beispiele aus dem "echten Leben" und jetzt einmal konkret auf das Problem der "ungemeinsamen" Sexualität übertragen heißt das: wenn einer eine erfüllendere Sexualität will und der andere mauert, dann gibt's die vier Möglichkeiten, die ich Ihnen im letzten Podcast genannt habe. Entweder er/sie zieht die Trennung durch, d.h. Beendigung der Beziehung aus diesem Angst- und Konfliktzyklus heraus, oder der aktivere Partner resigniert und rutscht damit wieder in den Komfortzyklus der Beziehung zurück, oder beide Partner entwickeln die Partnerschaft in diesem Punkt gemeinsam weiter. Wie gesagt: sehr lesenswertes Buch, hat schon vielen Paaren geholfen zu verstehen, was in ihrer Partnerschaft passiert und ist zu Recht, wie ich finde, ein Bestseller. Das, was allerdings ein wenig fehlt, ist das konkrete "wie gehen wir als Paar das Problem denn nun an". Es gibt ein paar Tips und Übungen, aber dafür ist das Buch primär nicht gedacht.

Ja, wie geht es konkret weiter? Als Paar sollten Sie sich zusammensetzen und einmal miteinander darüber reden, welche Ziele Sie in der Partnerschaft haben, warum Sie überhaupt Ihre Partnerschaft eingegangen sind und wo Sie sich selbst weiterentwickeln können. Wir sind ja immer schnell dabei, die Schwächen des anderen zu suchen und zu finden, aber bitte stellen Sie sich einmal die Frage: wo stehen wir in unserer Partnerschaft? Was haben wir für Ziele, gemeinsam und jeder für sich? Und wie kann ich, ganz persönlich, dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen bzw. die Veränderungen, die wir uns wünschen umzusetzen? Ich kenne ein Paar, das macht das wöchentlich und ist sehr erfolgreich damit. Übertreiben müssen Sie es vielleicht nicht, aber eine gute, regelmäßige Übung ist das allemal, vorausgesetzt, Sie gehen respektvoll und konstruktiv miteinander um.

Wenn ihr mal einem guten Reiter zuseht (also ich spreche hier von Menschen, deren Beruf die Hohe Schule ist, die hohe Kunst des Reitens), dann erkennt ihr als Laien – gar nichts. Nichts. Es sieht von außen so aus, als tut der Reiter oder die Reiterin eigentlich gar nichts. Und trotzdem entsteht ein wundervolles, harmonisches Ganzes. Wundervolle Figuren, Grazie, Anmut. Ihr beide braucht in erster Linie Geduld (mit dem Partner und mit Euch selbst), Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Partner und ihr müsst Euch selbst managen lernen. Selbst managen heißt: wenn ihr die Partnerschaft weiterführen wollt, müsst Ihr Euch wieder in den Komfortzyklus Eurer Partnerschaft begeben, aber auf einem höheren Level. Der Aktivere muss lernen, wie er seinen Partner oder seine Partnerin liebevoll mitnimmt auf diesem Weg, die Hand reicht und sagt: "komm, ich weiß auch noch nicht, wo's hingeht, aber Du wirst es lieben" und der Passivere sagt: "ich weiß noch gar nicht, wofür es gut ist, aber ich geh jetzt mal mit, ich nehme Deine Hand und lass mich darauf ein." Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht darum, dass einer bestimmt wo es langgeht und der andere hat hinterherzulaufen. Das Ziel ist am Ende, dass sich da zwei gleichberechtigte, unabhängige Partner gegenüberstehen, die nicht Macht oder Druck oder passiven Widerstand aufeinander ausüben, sondern die - jeder für sich - entscheiden: ja, mit diesem Menschen möchte ich gerne eine Beziehung - und vielleicht eine sexuelle Beziehung haben, pflegen und aufrecht erhalten. Darum geht es. Und nach meiner Erfahrung ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen gar nicht so groß, wie immer behauptet wird. Am Ende wünschen sich beide - wenn ihre Persönlichkeit nicht extrem pathologisch ist - nämlich das Gleiche: zu lieben und geliebt zu werden, Anerkennung und Respekt, eine enge Beziehung zu mindestens einem anderen Menschen, Vertrauen, sich-aufeinander-verlassen-können, sich geborgen und angenommen fühlen.

Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht zuzuhören und ich habe Ihre Gedanken angeregt. Ich habe viele Ideen für die nächste Folge, aber wenn Sie ein Thema haben, das Sie besonders interessiert und das Sie vertieft haben möchten, schreiben Sie mir an info@tobias-ruland.de und ich ziehe ich das gerne in Erwägung. Ich wünsche ich Ihnen eine wundervolle Zeit, freue mich, wenn wir uns zu nächster Gelegenheit wieder hören oder gar sehen, bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen. Ihr Tobias Ruland

Link: Buchtipp David Schnarch

Intimität in der Partnerschaft live

Dr. David Schnarch, einer der weltweit bekanntesten Therapeuten für sexuelle Probleme, mehr Intimität und Leidenschaft in der Partnerschaft, kommt im April nach Deutschland.

Neben anderen Städten wird er auch in Ulm, also garnicht unweit von München, für Paarberater bzw. Paartherapeuten ein viertägiges Seminar geben, um seine Ansätze und Erfahrung für mehr Leidenschaft und Intimität in der Ehe mit den Experten zu diskutieren.

Der erste der vier Tage steht jedem Interessierten offen, jedoch ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Bei Interesse schreiben Sie mich an, ich werde teilnehmen.

Podcast Paartherapie über die perfekte Liebe

geht es in der neuesten Folge meines Podcasts. Wenn Sie schon immer wissen wollten, was Liebe in unserem Kulturkreis ausmacht, dann wird diese Folge interessant sein für Sie. Hier folgt das Transkript:

Ja hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts. Mein Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Heute möchte ich mit Ihnen über die perfekte Liebe sprechen. Die perfekte Liebe. Wie schön sich das anhört. Die Weltliteratur ist voll davon. Ich komme jetzt gerade von einer großen Tagung für Paartherapie in Heidelberg, auf der Marita Rödzus-Hecker einen langen und sehr interessanten Vortrag zu Liebes- und Paarträumen in der Weltliteratur gehalten hat. Also wir sprechen von Figuren wie Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Goethes Werther und Lotte, Humbert Humbert und Lolita und so weiter und so weiter. Was die großen Liebesgeschichten der Weltliteratur alle gemeinsam haben ist: es ist immer dramatisch, unmöglich, unglücklich, unerfüllt. Sehnen und nicht bekommen. Unglückliche, brennende, unerfüllte Liebe! Wie romantisch! Leidenschaft, Trauer, Wut, Zerrissenheit, Selbstmord, die ganze Palette. In der gesamten einschlägigen Weltliteratur (also wir sprechen von den großen Autoren und nicht von Groschenromanen) gibt es kein einziges glückliches Liebespaar und kein einziger Roman endet mit den Worten: und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Warum das so sein muss, kann uns vermutlich am besten Marcel Reich-Ranicki erklären, aber es hat sicher auch damit zu tun, dass erfüllte Liebe erstens selten ist und zweitens viel zu langweilig wäre zu beschreiben. Stellen Sie sich eine Tagesschau nur mit guten Nachrichten vor, das will keiner hören oder lesen.

Oder liege ich hier falsch? Gibt es vielleicht gar keine erfüllte Liebe? Warum werden 50 Prozent aller Ehen geschieden und die andere Hälfte ist auch nicht wirklich glücklich - von einigen wundervollen und bewundernswerten Ausnahmen einmal abgesehen? Was braucht's überhaupt für eine erfüllte Liebe? Und warum ist das so schwierig? Interessanterweise gibt es auf diese einfachen Fragen, die alle Menschen bewegen, wissenschaftliche Arbeiten, sehr bekannt und herausragend hierbei der amerikanische Psychiater Robert Sternberg.

Sternberg hat im Jahr 1988 ein Modell publiziert, das sehr bekannt geworden ist - zumindest bei Paartherapeuten, leider weniger bei den Paaren selbst. Dabei ist es nicht nur einleuchtend, sondern auch super-simpel. Sternberg sagte: wir können uns die vollständige Liebe als gleichseitiges Dreieck vorstellen. An jeder Ecke dieses Dreiecks ist ein Aspekt der Liebe verankert und zwar sind das: Zuneigung oder Intimität an einer Ecke, an der zweiten Ecke die Lust oder Leidenschaft und an der dritten Ecke Verpflichtung bzw. Verbindlichkeit. Damit eine Liebe nach unserer westlichen Vorstellung einer Paarbeziehung wirklich vollständig ist - in anderen Kulturkreisen gelten natürlich andere Regeln - müssen in einer Partnerschaft alle drei Aspekte berücksichtigt werden. Wenn Aspekte fehlen oder garnicht berücksichtigt werden, dann ist deckt die Paarbeziehung eben nur einen Teil ab. Also zum Beispiel: Nehmen Sie an, ein junges Teenager-Paar verliebt sich. Die haben ganz sicher Lust und leben ihre Hormone aus (also der Aspekt Leidenschaft ist abgedeckt), sie gehen oft auch eine innere Verpflichtung ein (der ist es und nur der eine usw.), aber intim ist diese Verbindung nicht unbedingt. Das Gefühl der Nähe, das sich einstellt, wenn man mit einem Menschen 10 Jahre zusammengelebt hat, das kennen die beiden garnicht. Der Aspekt der Intimität ist also eher schwach bis garnicht repräsentiert. Anderes Beispiel: es gibt Ehepaare, die Leben seit 20 Jahren zusammen wie Brüderchen und Schwesterchen, teilen alles miteinander, sind lieb und aufmerksam, haben aber schon seit ewigen Zeiten keine Form von gemeinsamer Sexualität. Die haben ganz sicher ein hohes Maß an Vertrautheit entwickelt und sind sicher auch eine enge Verpflichtung eingegangen und können sich vielleicht ein Leben ohne den anderen garnicht mehr vorstellen, aber der Aspekt Lust/Leidenschaft kommt faktisch nicht vor.

Wozu erzähle ich Ihnen das? In stabilen, liebevollen Beziehungen, sind bei den beiden Partnern die drei Aspekte hinreichend abgedeckt, sodass beide Partner vollständige Liebe spüren. Wenn beide sexuell nicht entwickelt sind, können also durchaus Paare existieren, die keinerlei Form von Sexualität praktizieren und trotzdem glücklich sind und das Gefühl der vollständigen Liebe spüren. Das ist allerdings ein Extrem. Die meisten Menschen möchten gerne alle drei Aspekte berücksichtigt haben und zwar ausgewogen. Wird ein Aspekt in der Beziehung vernachlässigt, dann hat man das Gefühl, die Liebe ist nicht vollständig, ja vielleicht sogar verraten. Ich geb Ihnen wieder ein Beispiel aus der Praxis der Paartherapie: Paar kommt zu mir, der Mann ist der sexuell aktivere und möchte gerne ein intensiveres und leidenschaftlicheres Liebesleben und die Frau blockt das ab. Umgekehrt wünscht sich die Frau mehr Treue, mehr Verpflichtung, mehr Wir-Gefühl usw. vom Mann. Wenn Sie jetzt das Dreieck im Kopf haben, sehen sie sofort, dass beiden jeweils ein wichtiger Aspekt in dem Dreieck der Liebe unterrepräsenstiert scheint. Der Frau fehlt das Commitment ihres Mannes, ein treuer, sorgsamer und Sicherheit gebender Ehemann zu sein. Solange er das nicht hinkriegt, fühlt sie sich nicht ausreichend von ihm geliebt. Dem Mann fehlt Zärtlichkeit, Sinnlichkeit, Leidenschaft und guter Sex und solange diese Komponente von seiner Frau vernachlässigt wird, fehlt ihm ein wichtiger Aspekt seines Liebesdreiecks. Und nachdem, was Sie gerade gehört haben, wird es am Ende - wenn die beiden ein Paar bleiben wollen - darauf hinauslaufen, dass der Mann ein klares und unmissverständliches Commitment für die Frau abgibt und treu bleibt; und die Frau muss aufhören, ihren Mann mit lausigem Sex aus dem Haus zu treiben und muss anfangen, Zeit, Energie, Gedanken und Liebe in die sexuelle Beziehung zu investieren. Wenn beide ihren individuellen Liebesaufgaben nicht gerecht werden, fehlt dem Partner jeweils ein ganz wichtiger Aspekt im eigenen, individuellen Liebes-Dreieck und die Beziehung ist früher oder später zum Scheitern verurteilt.

Jetzt gibt es noch etwas zu diesen drei Aspekten zu sagen. Sie verändern sich im Laufe der Partnerschaft, sie bleiben typischerweise nicht gleich. Der Punkt emotionale Zuneigung bzw. Intimität wächst typischerweise einfach über die Zeit. Man lernt sich immer besser kennen und lieben, akzeptiert die Macken des anderen, fängt an, die Seele des Partners zu lieben, teilt Werte und Ziele miteinander. Diese Entwicklung kann natürlich gestört werden, geht aber im Normalenfall kontinuierlich und zunehmend voran. Der Aspekt der Verpflichtung ist typischerweise zu Beginn einer neuen Partnerschaft weniger stark, man lernt sich kennen, man lotet sich aus, und dann gibt es irgendwann vielleicht Zusammenziehen, Kinder, Verlobung, Heirat, jedes Ereignis stärkt die Verpflichtung für einander, stärkt diesen Aspekt. Klar, wenn einer auszieht oder fremdgeht, dann wird dieser Aspekt geschwächt. Den Punkt bekommt man also dann als Paar geregelt, wenn man nicht nur Commitments eingeht, sondern auch einhält und nicht bricht. Das Problem beim Fremdgehen ist ja nicht der Akt an sich. Das Problem beim Fremdgehen ist, dass man eine Kerbe in diese Ecke des Dreiecks haut, die das Liebesdreieck des Partners unter Umständen ganz gehörig deformiert. Der dritte Punkt Lust/Leidenschaft ist am Anfang der Partnerschaft typischerweise sehr gut und hoch und wird im Laufe des Partnerschaft immer schwächer. Die Sexualität wird immer langweiliger, man schlampt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter und nach 5, 7, 10 Jahren ist die gemeinsame Sexualität eine Katastrophe. Diesen Punkt bekommt man dann und nur dann in den Griff, wenn man kontinuierlich daran arbeitet und wenn man begriffen hat, dass Sexualität in reiferen Partnerschaften, also Partnerschaften, die schon viele Jahre bestehen, ganz anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als beim jung verliebten Paar. Dafür muss man wirklich wirklich aktiv etwas tun, diese kindlich naive Vorstellung die viele Menschen mit sich herumtragen, dass guter Sex vom Himmel fällt, wenn der Rest der Partnerschaft passt, ist definitiv nicht richtig. Das Thema vertiefe ich gerne einmal in einer der nächsten Folgen dieses Podcasts.

Ja... was heißt das jetzt für Sie, liebe Zuhörer. Setzen Sie sich doch einmal mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin zusammen, und zeichnen Sie sich das Dreieck auf. Lust bzw. Leidenschaft, dann Verbundenheit bzw. Verpflichtung füreinander und Zuneigung bzw. Intimität. Und dann überlegen Sie einmal - jeder für sich alleine - wie wichtig ihm diese Aspekte für das individuelle Erleben der vollständigen Liebe sind. Wie sieht mein persönliches Dreieck aus? Und wo stehen wir als Paar, d.h. wie gut werden in die drei Punkte in meinem persönlichen Liebesdreieck heute erfüllt und was fehlt mir noch? Und dann sprechen Sie einmal darüber und versuchen sich selbst und dem Partner begreiflich zu machen, wie Liebe d.h. das Liebes-Dreieck in Ihrer Welt, in Ihrem Kopf aussieht. Ich verspreche Ihnen, Sie werden dabei die eine oder andere interessante Entdeckung machen.

Ja, das war es wieder einmal für heute. Wenn es Ihnen gefallen hat, schreiben Sie mir oder voten Sie bitte auf iTunes für diesen Podcast. Bitte bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen, Ihr Tobias Ruland

Sexuelle Unlust? Mann lustlos? Frau lustlos?

Das zuverlässigste Aphrodisiakum bei sexueller Lustlosigkeit ist "Respekt".

"Respekt"? Was ist denn das für ein Blödsinn werden Sie sich fragen.

Respekt bedeutet

  • Respekt vor sich selbst
  • Respekt vor dem Partner

Respekt vor sich selbst bedeutet, dass man eine aufrichtige und authentische Persönlichkeit darstellt. Seine Gefühle und Empfindungen ehrlich aber fair äußert. Seine Integrität achtet und bewahrt. Sich nicht für "Spielchen" hergibt. Sagt was man denkt und tut, was man sagt. Ein Mensch - egal ob Mann oder Frau - der den Respekt vor sich selbst bewahrt, authentisch und integer ist, wirkt sehr sexy. Ein Mensch, der andere hintergeht, lügt, seine Integrität jeden Tag auf's Neue verliert, mag hübsch aussehen, aber wirkt abstoßend, weil man ihm nicht vertrauen kann. Niemand möchte einem solchen Menschen wirklich nah sein.

Respekt vor dem Partner bedeutet, dass Sie seine Gefühle ernst nehmen, fair und aufrichtig mit ihm/ihr umgehen, ihm in schwierigen Situationen entgegenkommen und sich nicht über ihn/sie erhöhen. Erst wenn Sie Ihren Partner wirklich ernst nehmen und repsektvoll behandeln, wird er/sie das Vertrauen entwickeln, sich Ihnen ganz zu öffnen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie stets den Respekt vor sich selbst und dem Partner bewahren. Kein "Lustmittelchen" dieser Welt ist auch nur annähernd so anziehend, wie das aufrichtige Gefühl zwischen zwei Menschen, ehrliche Intimität geben und annehmen zu können. Und dazu ist Respekt der Schlüssel.

Paartherapie Podcast

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Transkript des Podcasts

Ja, hallo und herzlich willkommen zu meinem ersten Podcast zum Thema "Sexuelle Lustlosigkeit in Partnerschaften". Meine Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. Und das Thema "Sexuelle Lustlosigkeit und mangelnde Leidenschaft" ist seit einigen Jahren mein Spezialthema und ein ganz wichtiges Interessen- und Forschungsgebiet. Was macht Leidenschaft aus? Wie entwickeln sich sexuelle Interessen und sexuelle Leidenschaft über die Jahre, insbesondere in langjährigen Partnerschaften? Wie hält man die sexuelle Beziehung interessant / lebendig ? Wie findet man zu einer gemeinsamen Sexualität zurück, wenn sie "eingeschlafen" ist? Ist es überhaupt möglich und wenn ja, wie, in einer stabilen Partnerschaft guten Sex zu haben und zu behalten?

Ich selbst habe einige Beziehungen "verschlissen" und mir ist erst nach vielen vielen Jahren des Kummers, der Frustration und des Suchens nach Antworten klar geworden, dass sexuelle Frustration nicht nur ein wahnsinnig häufiges Problem ist, sondern auch ein Phänomen, das in fast allen Partnerschaften früher oder später auftritt, ja fast auftreten muss. Fast alle Paare plagen früher oder später ähnliche Fragen. Ein Partner ist sexuell interessierter / aktiver als der andere. Er oder sie versucht, sexuell aktiv zu sein, wird dann aber vom Partner abgewiesen. Und es entwickelt sich eine Spirale aus Druck, Frustration, schlechter Stimmung und Belastung der Partnerschaft, Ausweichverhalten, Abwehr, vorsichtiger Wieder-Annäherung, Druck, Frustration und so weiter und so weiter. Jedes Jahr scheitern Hundertausende von Partnerschaften in Deutschland genau daran - egal ob hetero- oder homosexuell - egal ob von jungen oder älteren Menschen - egal ob 2 Jahre zusammen oder 20. Allein von diesem Thema leben Abertausende von Scheidungsanwälten allein in Deutschland. Und obwohl schon ganze Bibliotheken über das Thema verfasst worden sind, bekommen es die Paare nicht in den Griff und trennen sich dann sehr häufig. Die beiden Hauptgründe für das Scheitern einer Partnerschaft sind schlechte Kommunikation, d.h. nicht konstruktiv Miteinander-Reden-Können, und eine unbefriedigende gemeinsame Sexualität.

Natürlich ist das ein komplexes Problem. Natürlich kann ein Podcast von 30 Minuten nicht eigene Anstrengungen ersetzen oder ggf. eine Paar- oder Sexualtherapie. Aber ich kann Ihnen zeigen, dass das Problem eher alltäglich ist, dass man darüber sprechen kann und dass es Wege aus der Krise gibt, die Sie kennen sollten. Das wichtigste dabei ist, ist, dass Sie wissen müssen, dass Sie weder als sexuell aktiverer Partner, noch als weniger aktiver Partner Ihren Gefühlen, Ihrer Lust oder Unlust, dem Druck und der entstehenden Frustrationsspirale hilflos ausgeliefert sind noch dazu verdammt sind, mit einer unbefriedigenden Patt-Situation bis an ihr Lebensende klarzukommen. Die Situation ist keineswegs so hoffnungslos, wie Sie vielleicht im Moment denken mögen.

Ich möchte anfangen mit einer Studie. Denn Psychologen der Uni Göttingen haben über viele Jahre Daten von über 60.000 Männern und Frauen gesammelt, um herauszubekommen, wie zufrieden oder unzufrieden die Menschen mit ihrer Sexualität in der Partnerschaft sind, und dabei hat sich mehr oder weniger in nüchternen Zahlen erhärtet, was Sie vermutlich selbst schon erlebt haben. Denn am Anfang ist alles rosarot, die Hormone sind in Wallung und man kann garnicht genug vom anderen kriegen, hat Schmetterlinge im Bauch und man kommt aus dem Bett garnicht mehr heraus. Die sexuelle Zufriedenheit ist hoch. Je länger aber die Beziehung läuft, umso geringer wird die sexuelle Zufriedenheit - oder sollten wir sagen: Unzufriedenheit. Von wenigen individuellen Schwankungen einmal abgesehen, können Sie sagen, dass so eine sexuelle Beziehung von Monat zu Monat schlechter wird. Irgendwann im Bereich 5-10 Jahre erreicht die sexuelle Zufriedenheit in der Partnerschaft dann ein unrühmliches Minimum, von dem sie sich statistisch gesehen nie wieder erholt. Das hört sich traurig an und es ist sehr traurig, denn sie dann lebten unglücklich bis an ihr Lebensende. Wohlgemerkt: das ist der statistische Durchschnitt von über 60.000 Menschen in Deutschland. Es gibt Paare, die sind auch nach Jahren zufriedener und es gibt Paare, die sind noch unzufrieder als "unzufrieden", was auch immer das dann heißen mag.

Die Gründe sind natürlich vielfältig. Aber Sie können sich leicht ausmalen, dass sexuelle Zufriedenheit und sexuelle Lust (bzw. Lustlosigkeit) sehr eng zusammenhängen. Wenn beide Partner viel Lust aufeinander haben, werden Sie Wege finden, das auszuleben ("wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Gebüsch") und die sexuelle Zufriedenheit wird hoch sein. Wenn die Partner generell schon sexuell unzufrieden sind, haben sie automatisch weniger Lust aufeinander, denn die Plackerei lohnt sich ja nicht für das schale Ergebnis. Ein Teufelskreis.

Zu Beginn einer Partnerschaft, also in dieser allerersten Verliebtheit, haben die meisten Menschen fast unbeschränkt Lust aufeinander. In dieser ersten Zeit des Verliebtseins sind wir durch die körpereigenen Hormone im Prinzip ständig "auf Droge". Diese Hormone verursachen das Glücksgefühl, die Schmetterlinge im Bauch. Sie sind verantwortlich, dass Sie dieses Glücksgefühl spüren, dass Sie die kleinen Fehler Ihres neuen Partners nicht so genau wahrnehmen (oder vielleicht sogar als liebenswerte Eigenheit ansehen) und dass der Sex oft stattfindet und innig und atemberaubend ist. Dieser Ausnahmezustand "auf Droge" hält jedoch maximal zwölf bis 18 Monate an. Dann sind die Hormone wieder auf Normalmaß wie vor der Verliebtheit. Und nichts ist so "wie früher". Dieses Gefühl liegt aber nicht daran, dass der gewählte Partner nach etwa einem/zwei Jahren plötzlich ein unausstehliches Ekel geworden ist, sondern daran, dass die Wirkung der körpereigenen Drogen langsam aufhört. Dessen sollte man sich bewusst sein. Nebeneffekt ist: Sehr viele für das weitere Leben wichtige Entscheidungen ("schnell Heiraten", "schnell Kinder zeugen", "gemeinsames Haus kaufen"), die in dieser ersten Phase der Verliebtheit getroffen werden, werden hinterher möglicherweise bereut, wenn die Verliebtheitsdrogen aus dem Blut und damit aus dem Gehirn verschwunden sind.

Dadurch, dass wir diese erste Phase der Verliebtheit in so positiver Erinnerung haben (das ist SCHÖN), ERWARTEN wir, dass es im optimalen Fall später auch so ist. Das heisst: da kommt der Märchenprinz oder die Märchenprinzessin, wir verlieben uns, wir sind im Rausch und wir hoffen und erwarten, dass dieser Rauschzustand ein Leben lang anhält. Nun ist es aber unvermeidlich biologisch gesteuert, dass die Hormone wieder auf Normalmaß zurückgehen. Die Sexualität ohne die körpereigenen Drogen funktioniert aber komplett anders als mit. Bei Ihnen läuft in einer langjährigen Beziehung nicht mehr das hormonell gesteuerte Reproduktionsprogramm ab, sondern der "reife gemeinsame Sex" (wenn ich das mal so nennen darf) läuft nach ganz anderen Spielregeln ab, das funktioniert komplett anders. Und diese Veränderung der Spielregeln muss man erstmal kapieren und akzeptieren. Dafür brauchen die meisten Menschen sehr lange, das ist nicht so einfach und viele Menschen können es nie akzeptieren oder wollen es garnicht verstehen.

Der zweite Grund für die Veränderung des sexuellen Interesses ist, dass Sie Ihren Partner immer besser kennen lernen, im Alltag und auch im Bett. Je mehr sie über ihn wissen (oder zu wissen glauben!), umso weniger versuchen Sie, Ihren Partner zu entdecken. Am Anfang, wenn wir verliebt sind, dann versuchen wir, ALLES über den anderen herauszufinden, wir interessieren uns, wir führen nächtelange Gespräche oder Telefonate oder Chats und wir versuchen, jede Facette des anderen kennenzulernen. Und das hört irgendwann auf, weil wir denken, wir wissen schon alles über den anderen und wir haben eigentlich schon alles über uns selbst erzählt. Je länger wir uns kennen, umso mehr glauben Sie zu wissen, was ihr Partner denkt und fühlt. Und umso mehr erwarten Sie selbst, dass Ihr Partner Ihre Gedanken lesen kann. Also so etwas wie: quot;wenn er/sie mich lieben würde, dann wüßte er/sie doch, dass mir X gefällt oder nicht gefällt." Sie sprechen bestimmte Themen nicht mehr an, weil Sie wissen - oder zu wissen glauben - dass Ihr Partner dann eine Diskussion beginnt, die Sie nicht führen wollen. Sie erzählen nicht mehr alles, entweder weil es Ihren Partner nicht interessiert oder weil sie seine/ihre Meinung schon zu kennen glauben. Sie erzählen nicht alles über sich selbst, weil Sie Angst vor Zurückweisung haben oder sich schämen. Das bedeutet: aus der ersten Phase des "Sich-Kennenlernens" wird eine zweite Phase des "Sich-zu-kennen-Glaubens". In dieser Phase zieht man sich etwas zurück und vermeidet Konflikte, die man nicht austragen möchte. Das bedeutet, dass die Kommunikation schlechter wird und man aus seiner Partnerschaft eine Art Tretminenfeld macht. Immer mehr unaufgelöste Konflikte schlummern im Boden und warten darauf, eines Tages explodieren zu dürfen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Paare nach Jahren draufkommen, dass sie in einer bestimmten Richtung gleich denken. Konkretes Beispiel: dass beide Partner eigentlich die Art und Weise des "eingeübten" Vorspiels nicht mögen. "Und ich dachte, für Dich soll das so sein" oder "Und ich hab geglaubt, dass Du das so magst". Da füllen die Paare nach 10 Jahren mal so einen Partnerfragebogen aus, sprechen drüber und finden nach 10 jahren heraus, dass sie beide gern mal was probieren würden, von dem sie dachten, dass es der Partner bzw. die Partnerin ja NIEMALS akzeptieren würde.

Drittens gibt es einen Gewöhnungseffekt, der die Partnerschaft, das Alltagsleben und den Sex im Laufe der Zeit "irgendwie langweilig" macht. Man macht immer irgendwie dasselbe, die Ideen fehlen so ein bißchen und alles läuft nach Schema F. Man tut das, von dem man glaubt, dass es funktioniert. Man geht nicht mehr so viele Risiken ein, etwas falsch zu machen. Das hat AUCH mit Sicherheit zu tun. Je sicherer sich zwei Partner sein können, dass der andere sich schon ja nicht einen anderen/eine andere suchen wird, umso weniger ist der sexuell weniger aktive motiviert, sich um die gemeinsame Sexualität zu bemühen. Sicherheit in langjährigen Partnerschaften ist zwar etwas schönes, man fühlt sich wohl und geborgen, hat aber oft negative Auswirkungen auf die gemeinsame Sexualität, aber da werden wir in einem anderen Podcast vielleicht noch genauer darauf kommen. Ein häufig beschriebenes Phänomen in zwischenmenschlichen Beziehungen ist: Beziehungen und Sex werden ganz von alleine schlechter, dafür muss man garnichts tun. Das heisst: man muss sich AKTIV drum kümmern, dass es zumindest nicht schlechter wird. Nur wenn man immer wieder und wieder in die Beziehung und in die gemeinsame Sexualität investiert, kann man etwas davon erwarten. Und investieren heisst eben nicht, dass die Frau kocht und der Mann das Geld heimbringt. Investieren heisst, dass man jeden Tag auf das "Beziehungskonto einzahlt", wie der Motivations-Coach Reinhold Stritzelberger das ausdrückt.

Viertens verändert sich natürlich auch unser Leben. Unser Erleben. Wir verändern uns, jeden Tag! Vielleicht ist es eine Krankheit, die uns aus dem Takt bringt. Vielleicht sind es ständige unbedachte Äußerungen, Nickeligkeiten, Verletzungen, die uns allmählich die Partnerschaft sauer werden lassen. Einer fühlt sich vom Partner nicht ausreichend wertgeschätzt und akzeptiert, ernstgenommen, und koppelt sich allmählich emotional aus der Partnerschaft ab. Sehr viele Paare erleben einen Bruch in der Sexualität nach der Geburt eines Kindes. Das heisst: Kind kommt auf die Welt und entweder der Mann oder die Frau oder beide haben garnicht Bedürfnis mehr nach Sex mit dem Partner. In den ersten Monaten nach der Geburt des Kindes ist das in Ordnung, das Leben stellt sich um, die Frauen leben ihre Mutterinstinkte aus und werden hormonell komplett durcheinander geschaukelt, die Männer fühlen sich vielleicht wie das fünfte Rad am Wagen und müssen erstmal mit der neuen Rolle als Vater und Ernährer klarkommen, die Nächte sind nicht gerade erholsam und das Paar muss sich erstmal in die Elternrolle finden. Das ist alles nicht einfach und es ist keine Schande, dass man da weniger Lust aufeinander und Zeit füreinander hat. Wenn der Zustand jedoch 1 Jahr oder noch länger anhält, dann gibt es meistens ein Problem. Und natürlich gibt es ähnlich zeitaufwändige Dinge wie ein Baby, die die Lust killen: ein anstrenger Beruf oder Schichtdienst zum Beispiel. Die nervige Schwiegermutter im Haus. Finanzielle Sorgen. Ängste. Partnerschaftprobleme in einem ganz anderen Bereich. Wenn zwei Partner sich ständig über die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft streiten, dann können Sie sich vorstellen, was das für langfristige Auswirkungen auf die gemeinsame Sexualität hat. Wenn ein Partner ständig beruflich unterwegs ist und nur am Wochenende zuhause, dann ist das eine enorme Belastung für Partnerschaft und auch für die gemeinsame Sexualität.

Jetzt habe ich Ihnen vier Gründe genannt, es gibt noch viel mehr Gründe für sexuelle Lustlosigkeit in der Partnerschaft, aber das soll und erst einmal genügen. Das Problem ist, dass das in der Regel schleichend geht. Da schleicht sich sozusagen der Schlendrian ein. Sie kennen alle Sätze wie "Nein heut gehts leider nicht" "Schatz, heute bin ich wirklich müde" "ich komm nicht vor Mitternacht aus der Arbeit" oder "lass uns das Kind ins Bett holen, das wacht heute Nacht eh wieder auf" oder "ich fühl mich heute nicht so", die berühmte Migräne oder oder oder Und der Mensch ist faul und bequem und lässt es so schleifen und irgendwann merkt einer (oder beide), dass da was fehlt. Das Dumme ist: sexuelles Verhalten praktiziert und lernt man wie alles andere auch im Leben, wie Fahrrad fahren. Wie jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen. Wie jeden Tag ins Büro gehen und dort seinen Job machen. Nur ist Sex deutlich komplizierter. Wenn Sie da den Schlendrian (oder wahlweise auch den inneren Schweinehund) reinlassen, und der sich festsetzt, dann schleift sich das als "schlechte Gewohnheit" ein und dann haben Sie ein ähnliches Problem als wenn Sie plötzlich das Rauchen oder das Fingernägelkauen sein lassen sollen. Von schlechten Gewohnheiten loszukommen ist viel schwieriger als zu verhindern, dass sie sich einschleifen.

Die wichtige Botschaft ist: Sexualität steht im ZENTRUM einer Paarbeziehung (selbst dann, wenn beide sich entscheiden, sie NICHT zu leben). Sexualität ist etwas SEHR Persönliches und SEHR Emotionales. Jeder Mensch hat sein eigenes, individuelles sexuelles Profil, das ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Und ist für viele Menschen mit so viel Scham besetzt, mit Angst vor Zurückweisung, mit Emotion und Liebe. Für ganz viele Menschen sind Sexualität und Liebe ganz eng miteinander verbunden. Die Intimität einer Partnerschaft hängt sehr oft daran. Und meist ist es unrealistisch zu erwarten, dass wir einen Partner oder eine Partnerin finden, der oder die 100% unseres sexuellen Profils teilt, das kommt vor ist aber es ist eher unwahrscheinlich. Und natürlich gehen wir alle AUCH eine Partnerschaft mit dem Wunsch ein, dass unser Partner möglichst viel unserer eigenen Sexualität mit uns teilen möchte, sich für uns interessiert, und begehrt, mit uns unsere Vorlieben und Phantasien ausleben möchte usw. Wenn sich jetzt bei einem Lustlosigkeit breit gemacht hat, dann gibt es früher oder später ein ernstes Problem. Denn der sexuell aktivere Partner bekommt einen ganz wichtigen emotionalen Baustein nicht in der Beziehung. Und Sex ist halt nunmal nicht so wie ein Hobby, für das sich der Partner nicht interessiert. Wenn sich Ihre Partnerin nicht für Fussball interessiert, dann gehen Sie eben mit Freunden ins Stadion, das ist kein Drama. Wenn Ihre Partnerin aber kein Interesse an gemeinsamer Sexualität hat, dann können Sie in der Regel nicht ins Bordell gehen oder eine Affäre haben, ohne dass Ihre Partnerin sich gekränkt fühlt und die Sache noch komplizierter wird. Sex in einer Beziehung ist wie Tennis-Spielen, das geht halt nunmal nicht alleine, weil bei den allermeisten Paaren eine Art "Exklusivrecht" vereinbart ist. Und was das bedeutet, sollte allen Paaren, die diesen Podcast hören, wirklich klar sein.

Wenn beiden nichts an gemeinsames Sexualität liegt, gibt's kein Problem. Nächstes Thema. Wenn ein Partner sich eine gemeinsame Sexualität wünscht, der andere aber "lustlos" ist, gibt es ein sehr ernstes Problem und zwar für beide, denn der sexuell aktivere Partner fühlt sich vernachlässigt, nicht ernstgenommen und fühlt ein großes Defizit in der Partnerschaft, ihm fehlt ein ganz wichtiger Lebensbaustein, den er für seine Seele braucht. Viele Menschen - Männer wie Frauen - entwickeln ernste depressive Erkrankungen aus dieser Situation heraus. Sie alle kennen das Burnout-Syndrom als Krankheit, die durch berufliche Überlastung entsteht. Es gibt auch Burnout, der in der Partnerschaft entsteht. Und nicht wenige nehmen jahrelang Antidepressiva ein, nur um mit der Situation in der Partnerschaft irgendwie klarzukommen, weil sie denken, sie kommen da nicht heraus und sie müssen die Partnerschaft weiterführen. Was macht der sexuell aktivere Partner? Zuerst verhält er sich ruhig und denkt nach, dann bettelt und drängt er, irgendwann droht er und dann steckt er im Dilemma, dass er entweder die Partnerschaft aufgeben muss (was er vielleicht garnicht will oder kann, vielleicht sind Kinder da, ein gemeinsames Leben, ein gemeinsames Haus, gemeinsame Firma, gemeinsame Freunde), oder sich eine Affäre suchen muss um seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt zu bekommen (was garnicht so großartig ist, weil es in der Regel heimlich zu passieren hat und weil es im Endeffekt auch nicht das ist, was er/sie sich wünscht) oder sich zurückzieht, sich mit dem bescheidet, was sein Partner zu geben bereit ist, was in nicht wenigen Fällen dann eben zu Rückzug, innerer Kündigung, Depression und im schlimmsten Fall sogar Selbstmord führen kann. Der sexuell weniger aktive (lustlosere) Partner fühlt sich hilflos (weiss nicht, was er/sie tun soll), nimmt das Thema lieber nicht so wichtig (hilflos vor einem wichtigen Thema zu stehen ist kein angenehmes Gefühl, denn man kriegt es nicht gelöst und das ist frustrierend) und fühlt sich durch den aktiveren Partner ständig unter Druck gesetzt, selbst dann, wenn der mal ausnahmsweise nicht drängelt. Hat ein schlechtes Gewissen. Fühlt sich irgendwie verantwortlich, weiss aber nicht, was er/sie tun kann. Das baut natürlich einen ernomen Erfolgsdruck auf. Glauben Sie, dass unter diesem Zwang und Erfolgdruck eine unbeschwerte heitere lustvolle gemeinsame Sexualität stattfinden kann?

Wenn Sie auch dieses Spielchen spielen, also den sexuell aktiveren Partner, der ständig drängt und den sexuell weniger aktiven Partner, der sich ständig verweigert, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es so richtig kracht. Wenn Sie in Ihrer Beziehung dieses Muster spielen, dann darf ich Ihnen eine meiner Erfahrungen mitteilen und Ihnen raten: hören Sie auf damit, denn es führt zu NICHTS.

Denn für Ihre Partnerschaft gibt es ziemlich genau vier Möglichkeiten: Entweder, Sie trennen sich. Das kann in vielen Fällen ein gangbarer guter Weg sein. Wenn keine gemeinsamen Kinder oder Verpflichtungen da sind und die Beziehung wegen der gemeinsamen (oder besser: ungemeinsamen) Sexualität ohnehin schon so zerrüttet ist, dass Sie sich schwer tun, aufeinander zuzugehen, dann kann das Ihr Weg sein. Nur bitte: machen Sie in der nächsten Beziehung nicht wieder die gleichen Fehler, denn sonst geht das gleiche Spielchen wieder von vorne los. Oder zweitens: Sie schließen einen Nichtangriffspakt und gehen jeder seiner Wege. Viele Paar leben zwar zusammen - meist der Kinder wegen - haben aber sexuelle "Außenbeziehungen". Oder sie haben sogar getrennte Wohnungen, sind aber noch offiziell verheiratet. Auch dann kann ein Weg sein, solange sich die Paare einig darüber sind. Bei vielen Paaren funktioniert dieser Nichtangriffspakt bis ins hohe Alter. Die dritte Möglichkeit: sie bescheiden sich mit der aktuellen Situation. Ob Sie damit klarkommen, müssen Sie selbst entscheiden. Es gibt durchaus Männer und Frauen, die drei Gänge zurückschalten und sich mit der Situation abfinden können und damit glücklich werden. Denn Ihre Erwartung steuert natürlich auch ihre Zufriedenheit. Wenn Sie Großes erwarten und nichts bekommen, sind Sie enttäuscht. Wenn Sie nichts erwarten, können Sie auch nicht enttäuscht werden. Viele Menschen können das. Andere zerbrechen daran und landen in der Depression. Wie es bei Ihnen aussieht, müssen Sie selbst entscheiden oder herausfinden, denn jeder Mensch ist anders. Es gibt Autoren in der entsprechenden Ratgeber-Szene, die schreiben, man müsse nunmal akzeptieren, dass man guten Sex nicht in einer stabilen, liebevollen Beziehung haben könne und man solle sich lieber auf ein harmonisches Zusammenleben konzentrieren und ab und zu mal schönen, liebevollen Sex haben. Das KANN für viele Paare ein durchaus gangbarer Weg sein. Wenn das zu Ihnen passt, haben Sie damit den Schlüssel zum Glück. Oder Viertens: sie ändern die aktuelle Situation und bringen Ihre sexuelle Beziehung wieder in Ordnung.

Die gute Nachricht ist: wenn die beiden Partner sich gegenüber sitzen und sich in die Augen sehen und sagen: "Ja, den Menschen, der mir da gegenübersitzt, den liebe ich von ganzem Herzen", dann gibt es Wege aus dieser Krise und Möglichkeiten, die sexuelle Beziehung wieder in Ordnung zu bringen. Und dann müssen Sie nicht in dieser namenlosen Masse von Millionen von Menschen landen, denen der Alltag das sinnliche, das erotische Ich geraubt hat. Dann GIBT es Möglichkeiten, wie sie wieder erotisch zueinander finden. Das einzige Problem dabei ist: Das gibt es nicht umsonst. Menschen verändern sich in der Regel nicht, wenn sie wollen, sondern wenn sie müssen. Ihnen muss klar sein, welche Folgen es wahrscheinlich haben wird, wenn Sie sich nicht um das Thema kümmern. Sie werden keinen Erfolg haben, wenn Sie sich für die vierte Möglichkeit entscheiden, aber das Thema nicht als absolutes Nr. 1 Thema begreifen. Wenn Sie meinen, das geht so im Vorbeilaufen oder man könne es aussitzen, dann täuschen sie sich.

Ja, das was der erste Podcast zu diesem spannenden Thema. Ich hoffe, er hat Ihnen Lust auf mehr gemacht und Sie sind gepannt auf die Fortsetzung, die sich mit der Frage beschäftigen wird, wie man denn die Veränderung einleitet und wie das denn nun genau geht mit der Umstellung der eigenen, eingefahrenen sexuellen Gewohnheiten. Ich hoffe, ich konnte Ihnen schon vorab ein paar Anregungen und neue Blickwinkel vermitteln. Wenn Sie Kommentare oder Fragen haben, besuchen Sie bitte meine Website "www.tobias-ruland.de" oder schreiben Sie mir eine email an info@tobias-ruland.de. Ich wünsche ich Ihnen eine wundervolle Zeit, freue mich, wenn wir uns zu nächster Gelegenheit wieder hören oder gar sehen, bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen. Ihr Tobias Ruland

Jede Jeck ist anders.

sagt der Rheinländer. Indes: weiß er auch, was das wirklich bedeutet?

In der Paartherapie setze ich dieses vermeintliche "Allgemeinwissen" jedes Mal ein und erhalte Verwunderung. Sie kennen das Sprichwort "Man soll nicht von sich auf andere schließen". Ein bekannter Paartherapeut hämmert seinen Klienten ein "Dein Partner kann keine Gedanken lesen!" Aber sind wir uns bewusst, was es bedeutet?

Jede Jeck ist anders. Jedes Gehirn funktioniert anders. Jedes Gehirn funktioniert mit unterschiedlichen Mustern, springt auf unterschiedliche Reize an. Warum ist es für uns selbstverständlich, dass Menschen unterschiedliche Nasen oder Augen haben, unterschiedliche Haarfarbe oder Haut? Warum denken wir dann, der Partner müsse die gleichen Denkmuster verwenden wie wir selbst? Nur weil das Gehirn unter der Schädeldecke verborgen ist und wir nicht sehen können, dass dort ganz andere Lämpchen in ganz anderer Reihenfolge aufleuchten als bei uns selbst?

Jeder Mensch hat seine eigene, individuelle Landkarte im Kopf und das in jeder Hinsicht. Meine Werte, meine Ziele im Leben, was ich gerne esse, mein Erotizismus, womit ich mich entspanne, wie ich Freundschaften pflege. Jedes Gehirn hat seinen Weg, mit Problemen umzugehen und nach Lösungen zu suchen. Jedes Gehirn funktioniert mit unterschiedlichen Leveln von Angst oder Stress.

Die Erkenntnis "Mein(e) Partner(in) ist ein komplett anderer Mensch als ich selbst." ist für viele Paare in meiner Praxis in München ein Schock. Denn es widerspricht der kindlich-romantischen Vorstellung des "Eins-Seins", des Verschmelzens, des bis ans Ende des Lebens ein gemeinsames Leben führen und alles miteinander zu teilen.

Und das ist eigentlich der wesentliche Kern der Akzeptanz in der Partnerschaft. Sie müssen nicht jeden Mist akzeptieren, den Ihnen Ihr Partner auftischt. Aber Sie müssen akzeptieren, dass er ein eigener Mensch ist. Mit eigenen Gefühlen, eigener Geschichte, eigenen Zielen, eigenen Erfahrungen und einer ganz individuellen Landkarte von der Welt im Kopf.

Paartherapie mit Konzept

In meiner Praxis in München coache ich eine Reihe von Paaren durch den Dschungel des Alltagslebens als Paar. Dabei stelle ich in der Paartherapie eine Reihe von wiederkehrenden Mustern fest:

  • das Gefühl, nicht akzeptiert/angenommen zu sein,
  • wiederkehrende Konflikte um Themen, die für den Außenstehenden (Familie, Freunde, auch Paartherapeuten) auf den ersten Blick unverständlich sind,
  • lauter Streit, Emotionen kochen hoch bis hin zu Tätlichkeiten,
  • sexuelle Unzufriedenheit

Etwa die Hälfte der Paare, die in meine Praxis in München kommen, haben bereits vorher eine andere Form von Paartherapie oder Paarberatung absolviert und erfolglos abgebrochen. Der Grund ist fast immer derselbe: der Therapeut oder die Therapeutin verliert das Paar nach den ersten Stunden, da das PAar in der Therapie keinen Fortschritt erlebt, immer nur über die Probleme redet, der Paartherapeut sich entweder ganz heraushält oder Ratschläge gibt, die nicht hilfreich sind und sich so schrittweise eine Allianz des Paares gegen den Paartherapeuten bildet, die früher oder später zum Abbruch der Therapie führt.

Ein wohlgehütetes Geheimnis der "Branche Paartherapie" ist, dass die meisten Therapien erfolglos nach 7-12 Sitzungen abgebrochen werden. Das erzählt Ihnen der Gesprächstherapeut nicht so gerne, denn der möchte, dass Sie erst einmal 20 Stunden zu ihm kommen "und dann sehen wir weiter".

Meine Art zu arbeiten basiert auf meiner eigenen Perspektive und Erfahrung und lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • wir identifizieren die Muster, die in Ihrer Beziehung ablaufen
  • wir erarbeiten konkrete Strategien, diese Muster aufzulösen
  • wir arbeiten an Ihrer emotionalen Stabilität und lösen eventuell vorhandene Angst, Wut, Trauer und Depression
  • wir entwickeln eine neue Intimität und eine erfüllende Sexualität

Dabei müssen Sie sich auch gefallen lassen, dass ich Ihnen meine Meinung sage (auch wenn Sie Ihnen nicht gefällt) und dass Sie Hausaufgaben zu lösen haben.

Wenn Ihnen diese klare Struktur den Eindruck vermittelt, für Sie das Richtige zu sein, rufen Sie mich an. Ich erzähle Ihnen gerne mehr.

P.S. Zum Seminar von Dr. David Schnarch fahre ich von München mit dem Auto. Falls jemand mit mir fahren möchte, bitte ich um telefonische Rückmeldung.

Podcast zum Thema Partnerschaft

Wie finde ich als Paar zusammen? Was ist wichtig? Was bedeutet es, wenn man an einem Strang zieht?

Hier folgt das Transkript der neuesten Podcast-Folge zum Thema Eheberatung.

Ja hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts. Mein Name ist Tobias Ruland und ich lebe und arbeite in München. In der heutigen Folge geht es um ein ganz zentrales Thema Ihrer Partnerschaft. DAS zentrale Thema in jeder Partnerschaft und damit meine ich nicht nur Ihre Ehe oder Lebensgemeinschaft. Jede Form von menschlicher Beziehung ist durch das heutige Thema betroffen, sei es Vereinsleben, Nachbarschaft, berufliche Zusammenarbeit, sei es Ihre Ehe, das Verhältnis zu ihren Kindern, jede Form menschlichen Miteinanders. Was lässt dieses Miteinander gedeien und "sich gut anfühlen" und wann entstehen Probleme? Das Thema, um das es heute geht, ist das der Kollaborativen Allianz, wie es David Schnarch nennt. Kollaborative Allianz? Was heisst das?

Eine Kollaborative Allianz ist ein Bündnis. Ein Bündnis von zwei oder mehr Menschen, die das Gleiche wollen, die an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Eine kollaborative Allianz ist damit ein ganz wichtiger und zentraler Baustein immer dann, wenn Menschen zusammenkommen, die "etwas wollen". Jeder Einzelne kommt mit seinen Zielen und dann, wenn sie sich entschließen können, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, dann entsteht etwas. Und immer dann, wenn die Kollaborative Allianz aufbricht oder zerbricht, dann entsteht ein Problem, Enttäuschung. Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel.

In meinem Heimatland Bayern gab es früher die Tätigkeit des "Schmusers". Im Hochdeutschen würde man vielleicht sagen "Kuppler". Der Schmuser hatte die Aufgabe, Hochzeiten anzubahnen, oft war das der lokale Viehhändler, der kannte die Bauern und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gut und kam viel rum. Und der Schmuser kam also dann auf einen Hof und sagte dem Hausherren: "Du, Huber-Bauer, da drei Dörfer weiter, da gibt's die Zenzi, die wär doch was für Deinen Buben." Und der Huber-Bauer antwortete: "ja, schaun wir sie uns halt einmal an." Ja und so wurden der Sepp und die Zenzi verheiratet im zarten Alter von 20 und haben später den Hof übernommen. Und 50 Jahre später sitzen die beiden auf ihrem Hof, vor ihrem Haus auf der Bank in der Sonne und sagen "ja, eigentlich haben wir es schön gehabt!" Wie kommen die dazu, sowas zu sagen? Die Nächte waren sicher nicht heiß und leidenschaftlich. Die beiden sind nicht auf die Malediven in den Urlaub geflogen. Scheidung war faktisch unmöglich. Die Arbeit auf dem Hof war hart und unerbittlich. Und trotzdem sagen die, es war ein schönes Leben. Wie kommen die dazu? Ganz einfach. Beiden war von Kindheit an klar, dass sie verheiratet werden. Beiden war klar, dass das keine Liebesheirat ist. Beiden war klar, dass sie gemeinsam einen Hof zu führen haben und was das bedeutet, Kinder zu bekommen, die Ernte einzubringen usw. Die hatten eine kollaborative Allianz die beiden, unausgesprochen und jeder wusste, was er zu tun hatte und wie er sich zu verhalten hatte. Und wenn die Ernte ok war und die Maul-und Klauenseuche nicht auf dem Hof, dann war es ein gutes Jahr.

Eltern und Kinder haben typischerweise eine unausgesprochene kollaborative Allianz. Beide wollen das Gleiche. Die Eltern wollen - wenn sie gute Eltern sind - dass ihre Kinder gesund groß werden und wollen ihre Kinder schrittweise in die Selbständigkeit entlassen. Die Kinder wollen genau das gleiche. Auch die Kinder wollen gesund groß werden und schrittweise mehr und mehr Selbständigkeit und Verantwortung bekommen, deshalb funktioniert das. Und diese Allianzen sind für uns, soziale Wesen, die wir sind, etwas unheimlich wichtiges. Sie sind der Grund, warum Familien trotz mancher Auseinandersetzung funktionieren und andere eben nicht. Mein Bruder und ich hatten viele Auseinandersetzungen insbesondere in unserer Teenager-Zeit, die unser Verhältnis belastet haben, dennoch wissen wir, dass wir uns im Ernstfall immer aufeinander verlassen könnten. Kollaborative Allianz, gemeinsam sind wir stärker als jeder für sich und erreichen unsere Ziele.

Und jetzt wird es spannend. In vielen Ehen bzw. Partnerschaften funktioniert das NICHT. Und das ist am Ende der wichtigste Grund, warum Partnerschaften auseinander gehen oder vor sich hindümpeln. Die Kollaborative Allianz bestand noch nie, besteht nicht mehr oder zerbricht gerade. Wenn ich in meiner Praxis für Paarberatung die Paare frage "Was sind Eure Ziele als Paar? Was wollt ihr gemeinsam erreichen?" dann ernte ich in den allermeisten Fällen Schulterzucken. Manchmal haben die Paare noch Antworten wie "Glücklich sein", "ein erfülltes Leben haben", "ein Haus bauen", "Kinder großziehen". Aber mit diesen abstrakten Antworten ist es nicht getan. Was heißt denn das konkret? Ein Paar sagte mir einmal "wir wollen intensiv leben!" Was heißt "intensiv leben"? Will ich jeden Tag 3 Stunden Sex? Oder heißt "intensiv leben" eine Besteigung des Mount Everest oder eine gemeinsame Weltumsegelung? Was bedeutet das? Was bedeutet es, in einer Partnerschaft glücklich zu sein, welche Faktoren sind für mich notwendig? Das ist SEHR wichtig zu wissen. SEHR wichtig. Und es ist für jeden Menschen anders. Es gibt Menschen, für die sind Familie und Freunde alles auf der Welt. Andere leben lieber etwas zurückgezogener und Familie und Freunde stehen an 25ter Stelle. Es gibt Menschen, für die ist ihr Beruf sehr wichtig, oder Geld, Status. Für andere überhaupt nicht. Manche Menschen setzen Ehrlichkeit und Treue über alles, für andere ist das nebensächlich. Für einige Menschen ist Sinnlichkeit und Erotik sehr wichtig, andere pfeifen drauf. Eine Freundin von mir saß auf dem Pferd, bevor sie laufen konnte. Sie führt einen eigenen Hof, ist eine begnadete Reiterin, bildet in hoher Schule aus, die Frau ist ein Genie und sie liebt ihre Tiere über alles. Für die sind ihre Tiere wichtig und wenn sie ihr ihre Tiere wegnehmen würden, würde die eingehen. Ein anderer sagt: "was soll denn das mit diesen Gäulen? Wie kann man denn um 4:30 aufstehen, um Pferde aus dem Stall zu lassen? Wie? Niemals in Urlaub fahren? 365 Tage im Jahr den Stall misten? So ein Schwachsinn!" So unterschiedlich sind die Menschen. Und das ist gut so. Führt aber auch zu Konflikten in der Partnerschaft.

Über die allermeisten Dinge kann man reden. Wohin man in Urlaub fährt, für was man das gemeinsame Geld ausgibt, was es abends zu essen gibt, in welcher Farbe die Wohnung eingerichtet wird, das ist alles kompromissfähig, darüber kann man reden. Aber jeder Mensch hat einige wenige Dinge, die bezeichne ich immer als Herzensangelegenheiten. Die sind für diesen Menschen so wichtig, dass sie nicht verhandelbar sind. Ein anderer mag drüber schmunzeln, aber für diesen Menschen sind diese Herzensangelegenheiten wichtig. Und sie sind nicht verhandelbar. Wenn Sie versuchen, diese Herzensangelegenheiten weg zu diskutieren oder durch Kompromisse zu "entschärfen", wird es ein Problem geben. Und selbst, wenn dieser Mensch zustimmt, seine Herzensangelegenheiten weniger wichtig zu nehmen, wird es immer in ihm nagen und er wird immer unzufrieden sein. Denn es sind seine zentralen, wichtigen Werte. Wie passt das nun zur kollaborativen Allianz? Ganz einfach. In einer Partnerschaft MÜSSEN die Partner diese einigen wenigen Herzensangelegenheiten beachten. Sonst funktioniert es nicht. Wenn Sie einen Menschen haben, dem Ehrlichkeit sehr wichtig ist und sie schwindeln den permanent an, dann ruinieren sie damit die Partnerschaft, weil sie seine innersten, wichtigsten Werte nicht respektiert haben. Die Freundin mit den Pferden: ihr Lebensgefährte ist ein Stadtkind. Der ist in der Großstadt aufgewachsen. Der kann nicht wirklich reiten und interessiert sich so viel für Pferde, wie sich ein normaler Stadtmensch eben für Pferde interessiert. Aber er lebt mir ihr auf dem Lande, er unterstützt sie finanziell und durch Arbeit auf dem Hof, er fährt jeden Tag 60 km in die Arbeit und 60 km wieder zurück, nur weil sie nicht in der Stadt leben kann und möchte. Das ist eine kollaborative Allianz. Und das funktioniert in vielen Fällen garnicht.

Das erste und wichtigste, was Sie sich überlegen müssen ist: wer bin ich? Und was will ich? Was sind meine persönlichen Herzensangelegenheiten? Was ist wichtig und unverhandelbar für mich? Und das ist für jeden Menschen anders und seien Sie nicht enttäuscht, wenn sie mit Ihrem Partner darüber sprechen und er zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Wichtig ist nur: die müssen das erstens wissen und zweitens klar kommunizieren. Und Ihr Partner muss ihre einigen wenigen, zentralen Herzensangelegenheiten beachten. Wenn er die nämlich nicht beachtet und mit Füßen tritt, dann fühlen Sie sich nicht akzeptiert - und am Ende sind Sie das auch nicht - Sie sind nicht respektiert und am Ende wird die Partnerschaft auseinander gehen. Wenn nicht formal, dann emotional. Denn wenn ihr Partner das, was Ihnen unverhandelbar wichtig ist, nicht respektieren kann oder will, dann haben Sie keine kollaborative Allianz, kein gemeinsames Ziel und eine Partnerschaft ohne gemeinsame Ziele ... können Sie sich selbst ausmalen.

Noch ein Beispiel: stellen Sie sich ein Paar vor, die sind Mitte 20, verlieben sich in einander, und werden ein Paar. Sie schätzen und respektieren sich und führen eine harmonische Partnerschaft. Jetzt kann es sein, dass dem Mann seine berufliche Karriere und der damit verbundene Status sehr wichtig ist. Vielleicht hat er nach 10 Jahren Karriere in der Unternehmensberatung gemacht oder er ist mittlerweile selbständig. Er ist 50 Stunden in der Woche unterwegs und fliegt mit der goldenen Senator-Karte durch die Welt. Und das ist wichtig für ihn. Jetzt können Sie als Partnerin entweder sagen: "ne ne ne, mein Freund, so hab ich mir das aber nicht vorgestellt. Ich will eine Partnerschaft, in der sich mein Partner auch um mich kümmert und nicht ständig weg ist" Oder Sie können den Mann in seinem persönlichen Ziel unterstützen, in dem sie ihm "den Rücken freihalten", wie das so oft heißt. Es ist nicht das eine richtig und das andere falsch, beide Sichtweisen sind legitim. Aber als Partnerin müssen Sie sich schon genau überlegen, wer sie sind und was sie wollen. Und nur dann können Sie den einen oder anderen Weg gehen ohne daran zu zerbrechen. Und das gleiche gilt natürlich auch für den Mann. Würde der seinen Beruf zugunsten seiner Partnerin aufgeben, wäre es glücklich damit? Oder würde er ihr das vielleicht sogar nach 20 Jahren vorwerfen, weil es an ihm genagt und ihn vielleicht sogar zermürbt hat?

Erst, wenn Sie als Paar definiert haben: wer sind wir? Was wollen wir wirklich erreichen (bitte ganz konkret und nicht so schwammig wie "Glück und Zufriedenheit")? Was ist uns wichtig? Erst, wenn Sie das definiert haben, dann können Sie wissen, ob Sie überhaupt als Paar eine Zukunft haben. Sie können zwar formal verheiratet sein. Sie können in einer Lebensgemeinschaft zusammen leben. Aber wenn Sie nicht gemeinsam an einem Strang ziehen, werden sie früher oder später ein Problem bekommen, weil sich ein Partner (oder beide) in seinen Wünschen nicht respektiert und seine wichtigsten Werte verletzt sieht. Und wichtig ist: sie müssen Ihren Partner GERNE in seinen Zielen unterstützen. Wenn sie das nämlich widerwillig und mit einem Knurren auf den Lippen tun, dann wird das bemerkt werden und das ist so gut wie gar keine Unterstützung oder eine offene Ablehnung. Oder wie der Volksmund sagt: ein Gnadenf*** ist schlimmer als gar kein Sex.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele erfolgreiche kollaborative Allianzen in Ihrem Leben. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie mir gewogen, Ihr Tobias Ruland

 
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